Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 16.06.2016


Imst

Milchnischen lösen Problem nicht

Auch im Bezirk Imst ist die Situation der Milchbauern sehr kritisch. Gefragte Almprodukte oder der einzige noch existierende Milchautomat trösten nur wenig. Eine eigene Sennerei ist zumindest angedacht.

Lediglich die Milchkühe wissen von der Problematik nichts.

© DaumLediglich die Milchkühe wissen von der Problematik nichts.



Von Hubert Daum

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Imst – Das „weiße Gold“ glänzt schon lange nicht mehr, im Gegenteil: Die Milchbauern auch im Bezirk Imst sehen schwarz. 222 landwirtschaftliche Betrieb­e liefern 13,2 Millionen Kilogramm des (ehemaligen) Lebenselixier­s zum Preis von 27,3 Cent pro kg an die Tirol Milch. „Die Produktionskosten sind höher, das ist ein Defizitgeschäft“, bestätigt auch der Chef der Bezirkskammer Imst, Otmar Juen, die bekannte Problematik, „die Situation ist sehr kritisch.“ Auch für ihn ist eine Lösung des Problems nicht in Sicht. Wie soll ein Unternehmer die Produktion auf eine Alternative umrüsten? „In den meisten Fällen unmöglich, weil die Anlage für die Milchproduktion ja da ist und die Schulden natürlich auch“, weiß Juen. Kollege Leo Larcher: „Viele haben die Adaptionen, die das neue Tierschutzgesetz verlangte, zum Anlass genommen, größere Umbauten zu tätigen und kräftig zu investieren. Da sind natürlich Raten für Darlehen zurückzuzahlen.“ Die Problematik sei aber komplexer: „Neben den höheren Einheitswerten und Sozialversicherungsbeiträgen haben viele die AMA-Förderung 2015 wegen noch ausstehender Almkontrollen nicht bekommen.“

„Ich höre im Herbst auf“, sagt ein frustrierter und sehr verärgerter Engelbert Posch, Parademilchbauer und Senner auf der Imster Maldon­alm. Sein Sommerstandort ist allerdings eine noch gut funktionierende Nische im Milchsee: „Wir haben hier 54 Milchkühe, die zweimal am Tag gemolken werden. Die Milch wird an Ort und Stelle zu Butter und Käse verarbeitet und den Bauern anteilig abgeliefert.“ Almprodukte seien sehr gefragt und auch der Preis sei zufriedenstellend. Posch betont allerdings, dass dies nur möglich sei, weil die Stadt Imst seit Jahren großzügig in die Alm investiere. „Schlagzeilen wie 170 Millionen für die Bauern inklusive der Aussetzung der Sozialversicherungsbeiträge klingen gut, bringen allerdings dem Einzelnen so gut wie nichts. Im Gegenteil, die Leute meinen, es wird uns alles hinten und vorne reingeschoben.“

Luise Fink muss den einzigen Milchautomat der Region täglich reinigen.
Luise Fink muss den einzigen Milchautomat der Region täglich reinigen.
- Daum

Auch Luise Fink, Kleinbäuerin in Imst, hat schon mit der Resignation Bekanntschaft gemacht: „Zwei Milchbauern aus Karrösten habe ich nicht mehr an der Milchsammelstelle gesehen.“ Wilfried und Luise Fink betreiben den einzig verbliebenen Milchautomaten in der Region. Erfolgreich, wie die Bäuerin schildert: „Die Kunden, die bei uns um 95 Cent unpasteurisierte Heumilch bester Qualitä­t bekommen, kommen teils auch aus Tarrenz, Arzl oder Schönwies.“ Der Automat ist zwar sehr pflegeintensiv, dafür bleibt das Geld vollständig beim Bauern.

Nischen, die allerdings das Gesamtproblem nicht lösen. Für Kammerchef Otmar Jue­n ist ein Ansatz, sich mehrere Standbeine aufzubauen, wenn möglich, oder dem Beispiel der Dorfsennerei in See nachzueifern: „Die Sennerei wurde 1994 gegründet und wird von 20 Kleinstbauern mit Milch beliefert. Meines Wissens wird dort das Kilogramm Milch mit 47 Cent vergütet, die Nachfrage ist gut.“ Auch im Bezirk Imst sei im letzten Jahr bei einer Regio-Sitzung die Gründung einer eigenen Sennerei diskutiert worden. Diese Idee sei aber bisher nicht weiterentwickelt worden, gestorben sei sie aber nicht.