Letztes Update am Mo, 28.11.2016 10:01

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Sozialpartnerschaft

Großinvestor Wirtschaftskammer: 542 Millionen Euro in Wertpapieren

Die WKO ist in den vergangenen zehn Jahren zu einem Großanleger aufgestiegen. Insgesamt habe die Wirtschaftskammer Österreich Rücklagen von 1,5 Milliarden Euro.

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Wien – Die Wirtschaftskammer verfügt nicht nur über ein stattliches Vermögen. Sie ist einem Bericht der Tageszeitung Standard zufolge in den vergangenen zehn Jahren auch zu einem Großanleger aufgestiegen. Insgesamt hätten die Bundes- und Landeswirtschaftskammern im Jahr 2015 rund 542 Millionen Euro in Wertpapieren veranlagt, so der Standard in seiner Montagsausgabe. Das gehe aus einer Aufstellung hervor, die Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) als Aufsichtsbehörde in Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage der Neos vorgelegt hat.

Die größten Einzelposten entfallen demnach auf die Landeskammern Wien (125 Millionen Euro), Steiermark (95 Millionen), Niederösterreich (84 Millionen) und Tirol (51) sowie auf die Bundeskammer, die knapp 90 Millionen Euro in Staatsanleihen, Fonds und Co veranlagt hat.

Mehr als 1,5 Milliarden Euro „gebunkert“

Neos-Mandatar Josef Schellhorn vermisst in der ganzen Causa vor allem die Transparenz. Man wisse nicht, wie veranlagt wird, und die Pflichtmitglieder erfahren auch nicht, wohin die Veranlagungsgewinne fließen. Laut Gesetz dürfe die Kammer Rücklagen in Höhe eines Jahresumsatzes bilden. Mit einem Anlagevermögen von 864 Millionen, Bankguthaben von 228 Millionen und 670 Millionen Euro an Rücklagen habe die Interessenvertretung aber bereits mehr als 1,5 Milliarden Euro „gebunkert“. Und mit jeder Kollektivvertragserhöhung kämen weitere Millionen dazu, schließlich basiere die Kammerumlage II auf der Lohnsumme der Unternehmen.

Diese Argumentation lässt die Kammer naturgemäß nicht gelten. Die insgesamt 542,54 Millionen Euro an Wertpapiervermögen seien die Rücklagen aller zehn Kammern in Österreich, also der neun Landeskammern und der Bundeswirtschaftskammer, betont Herwig Höllinger, Vizegeneralsekretär der Bundeskammer gegenüber dem Standard. Laut dem Rechnungshof habe die WKO ein Jahresbudget als Rücklage vorzuhalten, um konjunkturelle Schwankungen und damit einhergehende Einnahmenrückgänge ausgleichen und Projekte für die Mitglieder finanzieren zu können.

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Zudem sei die Art der Veranlagung kein Geheimnis, sondern vorschriftsgemäß extrem risikoavers. „Unsere Devise ist „Risikovermeidung vor Ertrag“, so Höllinger, der Staatsanleihen als Objekte bezeichnet. Einzelinvestments oder Klumpenrisiken seien tabu. Entsprechend bescheiden sei angesichts der niedrigen Zinsen aktuell der Ertrag.

EGT nahezu ausgeglichen

Im WKÖ-Wirtschaftsparlament wurde vergangene Woche mehrheitlich das Budget der WKÖ für 2017 beschlossen. „Nach Einkommens-und Ertragssteuern und der Rücklagengestion ergibt sich ein ausgeglichener Voranschlag 2017“, erläuterte WKÖ-Vizepräsident und -Finanzreferent Richard Schenz laut einer WKÖ-Aussendung bei seiner Rede vor den Wirtschaftskammer-Mandataren.

Die WKÖ rechnet mit Kammerumlagen in Höhe von 205,5 Mio. Euro. Dazu erwartet man 18,3 Mio. Euro aus Waren und Leistungserlösen. Die sonstigen betrieblichen Erträge, die Förderungen, Zuschüsse und Kostenersätze enthalten, werden mit 38,6 Mio. Euro beziffert.

„Die Einnahmen abzüglich dem Personalaufwand in der Höhe von 137,3 Mio. Euro und dem Sachaufwand in der Höhe von 127,3 Mio. Euro führen zu einem negativen Betriebserfolg von 2,2 Mio. Euro“, so die WKÖ. Aufgrund des Finanzergebnisses sei das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) aber nahezu ausgeglichen, wurde betont. (TT.com, APA)