Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 19.03.2017


“Flat Tax“

Steueroase Italien für Superreiche

Mit einer Einheitssteuer von 100.000 Euro pro Jahr will Rom ausländische Millionäre ins Land holen.

Ein sicherer Hafen für vermögende Ausländer: Dank Steuerzuckerln sollen Superreiche Italien ansteuern.

© iStock/csfotoimagesEin sicherer Hafen für vermögende Ausländer: Dank Steuerzuckerln sollen Superreiche Italien ansteuern.



Rom – Um die Staatskassen aufzufüllen, will Italien Superreiche mit kräftigen Steuergeschenken anlocken. Eingeführt wurde eine „Flat Tax“, also eine Einheitssteuer. Ausländische Millionäre zahlen demnach einen Pauschalbetrag von 100.000 Euro pro Jahr, wenn sie ihren Steuersitz nach Italien verlegen, teilte kürzlich die Steuereinnahmebehörde in Rom mit. Das entsprechende Steuerformular ist knappe drei Seiten lang. Die „Flat Tax“ kann zudem auch auf Angehörige ausgedehnt werden. Familienmitglieder, die ebenfalls nach Italien ziehen, müssen 25.000 Euro an den Fiskus abgeben. Und auch die Aussicht auf ein Visum soll ausländische Millionäre nach Italien locken. Wer zwei Millionen Euro an italienischen Staatsanleihen kauft, der bekommt im Gegenzug eine zweijährige Aufenthaltserlaubnis.

Auf diese Weise will Rom vermögende Ausländer dazu bewegen, sich in Italien niederzulassen. Die ausländischen Steuerzahler müssen genug Zeit in Italien verbringen, um vor den Behörden ihres Herkunftlandes die Steuerzahlung in Italien zu rechtfertigen. Um in den Genuss der Pauschal­steuer zu kommen, müssen Millionäre neun der letzten zehn Jahre außerhalb Italiens gelebt haben, zudem die Einkünfte außerhalb Italiens erzielen und einen Wohnsitz in Italien anmelden.

In einer Zeit, in der Steueroasen eigentlich ausgetrocknet werden sollen, wird Italien zur Steuerparadies für Superreiche. 1000 Vermögende könnten schon jetzt einen Umzug nach Italien ins Auge fassen, berichtet die Zeitun­g Corriere della Sera.

Obwohl die EU seit Jahren den Steueroasen den Kampf ansagt, liegen Steuerparadiese mitten im Unionsgebiet. Einer Liste der internationalen Entwicklungsorganisation Oxfam zufolge liegen viele der 15 weltweit „schlimmsten Steuer­oasen“ mitten in Europ­a. Beispielsweise in den Niederlanden, Dritter auf der Negativrangliste von Oxfam. Auch die Schweiz (Platz vier) gilt demnach immer noch als eine der größten Steueroasen. Irland, Luxemburg und Zypern finden sich ebenfalls auf der Liste wieder. In diesen Ländern werden windige Unternehmen auf der Suche nach steuer­schonenden Konstruktionen nach wie vor fündig.

Diese 15 weltweit schlimmsten Steuer­oasen – angeführt wird die Rangliste von Bermud­a und den britischen Cay­man-Inseln – würden laut Oxfam arme Staaten jährlich um Einnahmen von mindestens 100 Milliarden US-Dollar (rund 95 Mrd. Euro) bringen.

Zuletzt war auch die portugiesische Insel Madeira ins Visier geraten. Die EU-Kommission erlaubt Portugal seit Jahren, der entlegenen und strukturschwachen Insel Madeira mit sehr niedrigen Steuersätzen unter die Arme zu greifen, um die lokale Wirtschaft anzukurbeln.

Internationale Großkonzerne sollen sich dieses System aber zu eigen gemacht und über Tochterfirmen auf der Insel Milliardenumsätze verbucht haben, die sie dann kaum versteuerten. In der zu Portugal gehörenden „Região Autonoma“ zahlen Unternehmen ein­e Körperschafts­steuer von nur 5 Prozent. Auf dem portugiesischen Festland sind 21 Prozent fällig. (mas, APA)