Letztes Update am Mi, 07.06.2017 11:47

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


OECD

Privatkonsum und Investitionen treiben Wachstum in Österreich

Um das Wachstum zu erreichen, mahnt die OECD tiefer greifende Strukturreformen ein. Die Organisation spricht sich auch für die Globalisierung aus und empfiehlt eine weltweite Koordination der Regulierung.

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Paris, Wien — Eine Frohbotschaft verkündet die Organisation für wirtschaftliche Zusammhenarbeit und Entwicklung (OECD) für Österreich: Privater Konsum und Investitionen treiben das Wachstum von Österreichs Wirtschaft stärker an als erwartet. Auch die Exporte, die wegen der überdurchschnittlich hohen Inflation zuletzt geschwächelt haben, sollten sich erholen, schreibt die OECD in ihrer aktuellen Prognose. In Summe geht sie von einem Wirtschaftswachstum von 2,2 Prozent heuer und 1,7 Prozent 2018 aus. Erstmals sei 2011 gewinne das Wachstum an Dynamik.

Allerdings mahnt die OECD auch, dass ,um das Wachstum zu erreichen, tiefer greifende Strukturreformen notwendig seien. Die Unternehmensgründung solle erleichtert, Start-ups stärker gefördert und Marktzutrittsschranken im Einzelhandel und in den freien Berufen abgebaut werden. „Komplexe Finanzbeziehungen zwischen Bund und Ländern sowie Überschneidungen beeinträchtigen die Effizienz der öffentlichen Ausgaben und begrenzen den Spielraum für Zukunftsinvestitionen", heißt es in dem OECD-Bericht.

Rechtsanspruch für Kinderbetreuungseinrichtungen

Positive Aussichten gebe es laut OECD für die Exporte, die seit 2011 darunter gelitten hatten, dass die Inflationsrate und etwa einen Prozentpunkt höher war als im Euroraum. Positiv seien auch die Pensionsreformen, die zu einer höheren Beschäftigung älterer Menschen geführt haben, „wenngleich ausgehend von einem im internationalen Vergleich sehr niedrigen Niveau". Um die „relativ großzügigen" Pensionsansprüche zu sichern, müsse das effektive Antrittsalter weiter erhöht werden.

Kritisch sei, dass Frauen hauptsächlich in Teilzeit Beschäftigung finden, „wodurch die traditionellen Geschlechterdifferenzen in der Beschäftigungsverteilung verstärkt werden". Die OECD fordert hier einen Rechtsanspruch für Kinderbetreuungseinrichtungen und Ganztagschulen.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat zuletzt (18. April) die Prognose für Österreich für heuer auf 1,4 Prozent und für 2018 auf 1,3 Prozent festgesetzt. Die heimischen Wirtschaftsforscher sind optimistischer als der IWF aber weniger optimistisch als die OECD: Ende März hat das Wifo für heuer 2,0 Prozent Realwachstum vorhergesagt, das Institut für Höhere Studien (IHS) 1,7 Prozent. Für 2018 rechnet das Wifo mit 1,8 Prozent und das IHS mit 1,5 Prozent BIP-Zuwachs.

Weltweites Wachstum beschleunigt sich

Das weltweite Wirtschaftswachstum legt zwar leicht zu, der Anstieg reicht aber nicht, um die Lebensverhältnisse der Menschen in allen Mitgliedsländern der OECD zu erhöhen, schreibt die Organisation in ihrer heutigen Prognose. Die Regierungen müssten mehr Anstrengungen unternehmen, damit das Wachstum stärker ausfällt.

„Was wir brauchen ist eine regelbasierte Globalisierung, die für alle funktioniert und die Lebensqualität der Menschen ins Zentrum rückt" schreibt OECD-Generalsekretär Angel Gurría in dem Bericht. In einem Sonderkapitel werde gezeigt, dass die Vertiefung der Handelsbeziehungen zu höherer Produktivität und auch zu einer höheren Lebensqualität beigetragen haben. Zugleich sind aber in manchen Regionen Arbeitsplätze und Wohlstand verloren gegangen.

Die OECD empfiehlt, Innovationen und Firmengründungen zu fördern. Die Politik müsse Menschen und Regionen unterstützen, die bisher zu wenig von der wirtschaftlichen Entwicklung profitiert haben. Zudem müssen Ländern besser zusammenarbeiten, um die Lücken in der Regulierung der globalen Wirtschaft zu schließen.

USA wird „stärker wachsen"

Das globale Wirtschaftswachstum soll heuer auf 3,5 Prozent steigen - vor drei Monaten hatte die OECD noch 3,3 Prozent vorhergesagt. 2018 soll das Wachstum der Weltwirtschaft 3,6 Prozent betragen, diese Prognose wurde nicht verändert. Beide Werte bedeuten aber eine Beschleunigung gegenüber 2016, als die Weltwirtschaft lediglich um 3 Prozent zulegte.

Für die Eurozone erwartet die OECD nun 2017 und 2018 jeweils 1,8 Prozent Wachstum, statt wie vor drei Monaten vorhergesagt 1,6 Prozent. Allerdings sagt die OECD den USA ein stärkeres Wachstum voraus als der Eurozone: Heuer soll es ein Plus von 2,1 Prozent, 2018 eines von 2,4 Prozent geben. In China soll sich das Wachstum schrittweise abschwächen, von 6,7 Prozent im Jahr 2016 auf 6,6 Prozent heuer und 6,4 Prozent 2018. (APA, TT.com)