Letztes Update am So, 05.11.2017 12:35

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wirtschaftskammer

Leitl: „Keine Eile“ bei Übergabe von WKÖ-Chefsessel an Mahrer

Beim ÖVP-Wirtschaftsbund solle der Wechsel aber schneller passieren.

© WKOWirtschaftskammer-Chef Christoph Leitl.



Wien – Der scheidende ÖVP-Wirtschaftsbundpräsident Christoph Leitl hat am Sonntag weiter offengelassen, wann genau er auch das Amt des Wirtschaftskammerpräsidenten an Noch-ÖVP-Wirtschaftsminister Harald Mahrer übergibt. Mahrer solle schon Ideen einbringen, aber die Erfahrung des Älteren bleibe noch eine Zeit lang, „bis die Schienen befahrbar sind“, sagte Leitl in der ORF-“Pressestunde“.

Die Übergabe in der Kammer stehe „mittelfristig“ bevor, während jene im Wirtschaftsbund „kurzfristig“ erfolge. „Wir haben keine Eile“, betonte Leitl, der sich sehr auf seinen kommenden Vorsitz in der Europäischen Wirtschaftskammer ab Jänner freut und in dieser Funktion auch einiges bewegen will.

„Man nimmt die Besten, wenn man etwas sucht“, sagte er über die Auswahl Mahrers. „Das Anforderungsprofil spricht so für Mahrer, dass niemand auf die Idee kommen musste, ihn vorzuschlagen“, hieß es auf die Frage, ob ÖVP-Chef Sebastian Kurz Mahrer vorgeschlagen habe. „Kurz hat sich nie eingemischt, das ist nicht seine Aufgabe.“

Auch Tirolerin Schultz war im Rennen

Gefragt, ob sie den WKÖ-Chefposten gerne übernehmen würde, hat Leitl in seiner Sondierungsphase unter anderen auch die Tiroler Seilbahnunternehmerin Martha Schultz. „Sondieren heißt nicht präjudizieren“, sagte Leitl auf die Frage, ob Mahrer damit nur zweite Wahl gewesen sei. Schultz habe wegen Projekten ihres eigenen Unternehmens abgesagt.

Leitl outete sich einmal mehr als kein Freund der gegenseitigen EU-Russland-Sanktionen. Diese gehörten schrittweise zurückgenommen, nicht zuletzt um Europas „Sandwichposition“ zwischen den USA und China aufzubrechen und damit wieder ein Vertrauensverhältnis aufgebaut werde. Leitl schwebt ein Freihandelsabkommen der EU mit der Ukraine und Russland vor, um eine Freihandelszone „von Lissabon bis Wladiwostok“ aufzubauen.

Sexuelle Belästigung nie akutes Thema für Leitl gewesen

Zur derzeit breit geführten Debatte rund um sexuelle Belästigung sagte Leitl, dass ihm in seiner bisher 17 Jahre dauernden Zeit als WKÖ-Präsident nie eine Belästigung unter Ausnutzen einer Machtposition untergekommen sei. „Hätte ich so etwas beobachtet, wäre ich massiv eingeschritten“, so Leitl. Der Rücktritt von Peter Pilz sei „folgerichtig“, wenn es Zeugen für einen Vorfall von sexueller Belästigung gebe, auch wenn sich Pilz selbst nicht mehr daran erinnern könne. Geschehe sexuelle Belästigung aus einer Machtausübung heraus, dann dürfe es dafür null Toleranz geben. Sonst solle aber nicht „übertrieben kleinlich sein“, etwa wenn einmal ein „halb-zweideutiger Witz“ laufe.

Die Männerdominanz in der Kammer sei in seiner Amtszeit zurückgegangen. Am Anfang – im Jahr 2000 – seien 8 Prozent der Delegierten Frauen gewesen, nunmehr seien 30 Prozent der Delegierten im Wirtschaftsparlament weiblich. Zum Vergleich: Rund ein Drittel der Austro-Unternehmen werden von Frauen geführt.

Auf Fehler in seiner Amtszeit – dem Wirtschaftsbund steht Leitl schon 18 Jahre vor – angesprochen, sagte Leitl: „Wer in 18 Jahren keinen Fehler macht, der möchte sich zu jenen Heiligen begeben, die wir vor ein paar Tagen (Allerheiligen/Allerseelen, Anm.) gefeiert haben.“ (APA)