Letztes Update am Di, 13.02.2018 12:42

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Datenschutz

EU-Datenschutzregelung verunsichert Unternehmer

Nur eine Minderheit erwartet sich laut ZEW-Umfrage Vorteile von der neuen Regelung. Mehr als die Hälfte der Unternehmen habe noch keine Vorkehrungen getroffen. Die Österreichische Post gibt eine 5-Punkte-Empfehlung für Unternehmen.

© Am 25. Mai tritt die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) in Kraft.



Berlin - Die deutschen Unternehmen rechnen mit Nachteilen durch die in wenigen Monaten in Kraft tretenden neuen Datenschutzregeln der EU. Die Firmen betrachteten die Datenschutzgrundverordnung hauptsächlich als zusätzliche Kosten- und Arbeitsbelastung, berichtete das „Handelsblatt" vom Dienstag unter Berufung auf eine Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW).

Rund die Hälfte der 682 Befragten gab demnach an, dass ihre Geschäftsprozesse dadurch verkompliziert würden. Nur etwas über ein Viertel der Unternehmen glaubt hingegen, dass Kunden durch die neuen Regeln mehr Vertrauen beim Onlineshopping haben werden. Nur rund zehn Prozent denken, dass die Datenschutzgrundverordnung zu Wettbewerbsvorteilen für EU-Unternehmen auf internationalen Märkten führen wird.

Mehr als die Hälfte noch untätig

Die ZEW-Umfrage zeigt laut „Handelsblatt" auch, dass sich mehr als die Hälfte der Unternehmen der Informationswirtschaft noch gar nicht mit der Datenschutzgrundverordnung auseinandergesetzt hat - obwohl mehr als 61 Prozent der Unternehmen, die das bereits getan haben, sagen, dass es sich um tief- oder sehr tiefgreifende Änderungen handelt.

Noch 100 Tage bis zum DSGVO-Start

Im April 2016 hatte das EU-Parlament ein umfassendes Datenschutzpaket verabschiedet. So ist etwa vorgesehen, dass Unternehmen künftig Daten, die sie für einen bestimmten Zweck bekommen, in der Regel nicht mehr ohne ausdrückliche Zustimmung der Betroffenen weitergeben oder für andere Zwecke nutzen dürfen.

Auch ein Recht auf Vergessen soll es geben: Internetanbieter müssen auf Verlangen private Informationen löschen. Bei Verstößen gegen die neuen Vorschriften sieht die Neuregelung Strafen von bis zu vier Prozent des Jahresumsatzes von Unternehmen vor. Die Mitgliedstaaten haben bis zum 25. Mai 2018 Zeit, die Verordnung umzusetzen. (APA/AFP)

Fünf Punkte auf der To-Do-Liste für Unternehmen

Als größter Marketingdaten-Anbieter des Landes rät die Österreichische Post mit der eigens eingerichteten Data Academy folgende datenrelevante Fragen zu klären:

  • Rechtsgrundlage für Datenverwendung beachten

Neben Verträgen und Gesetzen, beispielsweise im Steuerrecht, ist die Datenverwendung gestattet, wenn dafür Einwilligungen (der Kunden) vorliegen oder wenn ein berechtigtes Interesse des Unternehmens an der Datenverwendung besteht. Bereits vorhandene Zustimmungen - etwa zur Nutzung für Werbezwecke - entsprechen noch nicht den strengen Regeln der EU-DSGVO.

  • DSGVO-konforme Einwilligungen

Eine DSGVO-konforme Zustimmung muss umfassend informiert und zu einem bestimmten Zweck erfolgen. Bereits gegebene Zustimmungen werden per 25. Mai ungültig und müssen gelöscht werden, so sie nicht den Kriterien entsprechen.

  • Bekanntheit und Belegbarkeit der Datenherkunft

Unternehmen müssen künftig die exakte Quelle, das Datum der Datensatzanlage und die Zustimmung bzw. den Widerruf zur Datenverwendung speichern.

  • (IT-)Lösung zur Datenlöschung implementieren

Personenbezogene Daten, für die keine Rechtsgrundlage mehr vorhanden ist — insbesondere jene, die nicht mehr für ihren ursprünglichen Zweck benötigt werden — sind ebenso zu löschen wie Datensätze von Personen, welche die Nutzung widerrufen haben. Daten in Betriebssystemen als "gelöscht" zu markieren, reicht dabei nicht aus. Sie dürfen weder les- noch wiederherstellbar sein.

  • Prozess zur Datenpflege und Verarbeitungsverzeichnis erstellen

Ein Prozess zur Datenaktualisierung und -pflege muss implementiert werden. Dazu sei auch ein Datenbearbeitunsgverzeichnis zur Dokumentation empfohlen.



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