Letztes Update am Fr, 04.05.2018 15:46

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Österreich

Schädlingsbefall erlaubt Rübenbauern wichtige Anbauregel zu brechen

Mais und Blühflächen werden als Alternative für geschädigte Flächen zugelassen.

© pixabayHeimische Zuckerrübenbauern fürchten um ihre Zukunft: Der Rüssekläfer macht ihren Früchten zu schaffen. Für Betroffene gilt nun eine Ausnahmeregelung, was die Aussaht betrifft.



Wien – Rübenbauern, deren Ernte vom Rüsselkäfer befallen oder vernichtet ist, bekommen eine erste Hilfe, noch bevor ein Krisengipfel stattfindet. Das Agrarministerium ändert eine wichtige Anbauregel. Für betroffene Bauern fällt die 75-Prozent-Regel, die Fruchtfolgen betrifft. So können betroffene Rübenbauern dort etwas Anderes (etwa Mais) aussähen, wo sie heuer eigentlich Rüben gezogen hätten.

Die Anbaudiversifizierung sinkt damit bei Rübenbauern – aber nur, wenn ihre Felder vom Rüsselkäfer befallen sind. Eine der Anbaukulturen von Bauern mit einer gewissen Größe darf normalerweise höchstens 75 Prozent ausmachen. Baute einer zum Beispiel auf 75 Prozent seiner Fläche Mais an und auf 25 Prozent Zuckerrüben, so darf er nun auf dem Zuckerrüben-Teil – so vom Schädling befallen – auch Mais anbauen (bzw. in diesem Fall nachbauen), er darf also auf 100 Prozent der Fläche Mais ziehen. Auch zusätzliche Blühflächen können angelegt werden.

„Diese Vorgangsweise ist jetzt ein wichtiger Schritt zur Unterstützung unserer Rübenbauern. Für den heimischen Zucker müssen wir einen Maßnahmenplan erarbeiten“, sagte Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) in einer Aussendung. Sie erteilte der Anwendung von Neonicotinoiden erneut eine Absage. Die Rübenbauern müssten aber unterstützt werden, damit es weiterhin heimischen Zucker in den Regalen gebe und nicht die Importe ansteigen. Darum lädt Köstinger noch im Mai Handelsketten, NGOs, Rübenbauern, Landwirtschaftskammerexperten und Industrie zu einem Krisengipfel.

Viele Rübenbauern und Insektizidhersteller machen ein Verbot bestimmter Neonicotinoide für die Rüsselkäferplage verantwortlich. Köstinger stufte die Verwendung der Neonicotinoide beim Zuckerrüben-Anbau zuletzt als bienengefährlich ein und stimmte auf EU-Ebene weiteren Verboten ab 2019 zu. „Wenn dadurch leichtfertig die Rübenproduktion gefährdet wird, dann müssen im Gegenzug die Mehrkosten und das hohe Ausfallsrisiko finanziell abgegolten werden“, forderte dann Rübenbauernpräsident Ernst Karpfinger.

Köstingers Parteikollegin, Nationalrätin Angela Baumgartner, kritisierte erst am heutigen Freitag erneut das Neonics-Verbot. Dadurch werde den Rübenbauern „der letzte Rest an Wirtschaftlichkeit genommen“, sagte sie laut einer Aussendung bei einer Pressekonferenz mit Rübenbauernvertretern in Gänserndorf. (APA)