Letztes Update am Di, 17.07.2018 12:08

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


JEFTA

EU besiegelt Freihandelspakt mit Japan, Angst vor Preisverfall

Das bisher größte Freihandelsabkommen der EU haben Kommissionschef Juncker und Ratspräsident Tusk heute in Tokio unterzeichnet. Jährlich soll der Deal rund 1 Mrd. Euro Einsparungen für EU-Exporteure bringen. Bauern warnen vor einem Preisverfall bei Milch und Fleisch.

Tusk (l.) und Juncker (r.) mit dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe.

© REUTERSTusk (l.) und Juncker (r.) mit dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe.



Brüssel – Die Europäische Union hat mit Japan ihr bisher größtes Freihandelsabkommen unterzeichnet. Das gaben der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe sowie EU-Ratspräsident Donald Tusk und Kommissionschef Jean-Claude Juncker am Dienstag in Tokio bekannt. Der seit 2013 vorbereitete Pakt soll Zölle und andere Handelshemmnisse abbauen, um das Wachstum anzukurbeln und neue Jobs zu schaffen.

Er gilt auch als Signal an US-Präsident Donald Trump, dem EU und Japan Abschottungspolitik vorwerfen. Das JEFTA-Abkommen soll im kommenden Jahr in Kraft treten und 99 Prozent aller Zölle zwischen den beiden Wirtschaftsräumen beseitigen.

„Heute ist ein historischer Tag“, erklärten EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und der japanische Regierungschef Shinzo Abe. „Wir feiern die Unterschrift unter ein sehr ehrgeiziges Abkommen zwischen zwei der größten Volkswirtschaften der Welt.“

Kritiker warnen vor Senkung der Standards

Die EU beziffert die Einsparungen durch das Abkommen für EU-Exporteure auf jährlich rund 1 Mrd. Euro. Aufgrund der Größe des japanischen Marktes mit 127 Millionen Menschen erwartet Brüssel einen deutlichen Anstieg der Exporte. Kritiker warnen hingegen davor, dass Umwelt- und Verbraucherschutzstandards künftig kaum mehr verbessert werden könnten.

Kleinbauern warnen vor Preistiefs bei Milch und Fleisch

Alternative Kleinbauern aus Japan, Deutschland und Österreich haben sich am heutigen Tag der Unterzeichnung gemeinsam gegen das EU-Japan-Freihandelsabkommen JEFTA gestellt. Es handle sich um „einen weiteren Meilenstein im Ausverkauf der bäuerlichen Landwirtschaft hier und auch in Japan“, lautet einer der Kritikpunkte. Gewarnt wird auch von einer neuen Preiskrise bei Milch und Fleisch.

„JEFTA wird unseren Milchmarkt und auch andere landwirtschaftliche Sektoren weiter liberalisieren. Das trifft unsere bäuerlichen Strukturen besonders schmerzlich“, sagt Yoshio Sasawatari, Vorsitzender der japanischen Bauernorganisation Nouminren in einer Aussendung der Österreichischen Berg- und Kleinbäuerinnen Vereinigung ÖBV-Via Campesina Austria. „Die steigenden Agrarimporte aus Europa bedrohen unsere Bauernhöfe.“ (APA/dpa/AFP)

Interaktive Karte der EU - Japan in deiner Stadt: https://go.tt.com/2uIiJp9