Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 23.07.2018


Wirtschaftspolitik

Streit um Wärmepumpen-Förderung: Kritik an Köstinger

Massive Einschnitte bei Wärmepumpen-Förderung schädigen den Ausbau erneuerbarer Energie immens, warnen Hersteller und kritisieren das Umweltministerium. Dieses wehrt sich gegen die Vorwürfe.

© Getty Images/iStockphotoBestimmte Wärmepumpen werden nicht mehr gefördert.Foto: iStock



Von Max Stozzi

Innsbruck – Heimische Wärmepumpenhersteller schlagen Alarm. In einem Brief an das Umweltministerium kritisiert der Verband Wärmepumpe Austria eine „desaströse Änderung der Fördersituation“ durch den Bund, die plötzlich 70 % aller Wärmepumpen von der Förderung über den Sanierungsscheck ausschließe.

Konkret geht es um das Kältemittel R410a, das in Wärmepumpen verwendet wird, sowie um dessen Treibhauseffekt (GWP). Voraussetzung für die Sanierungsförderung des Bundes ist eine GWP-Obergrenze von 2000. Laut Wärmepumpenverband lag das Kältemittel R410a, das als effizient und sicher gilt, bis zum Jahr 2014 noch unterhalb dieser Grenze, danach habe die EU den GWP-Wert auf knapp über 2000 hochgeschraubt. Trotzdem konnten die Hersteller bisher in Österreich die Förderwürdigkeit ihrer Pumpen durch ein Prüfinstitut nachweisen.

Nun aber sei alles anders. Denn von der so genannten KPC-Liste der förderfähigen Wärmepumpen wurden alle Wärmepumpen mit dem Kältemittel R410a entfernt. „Mit der jüngsten Entscheidung Ihres Ministeriums sind auf einen Schlag über 1000 Produkte von 35 verschiedenen Herstellern nicht mehr förderfähig“, schrieben die Hersteller jüngst an die zuständige ÖVP-Ministerin Elisabeth Köstinger – kurz vor ihrer Karenzpause. „Der Schaden für die Marktentwicklung von Wärmepumpen und damit für den weiteren Ausbau erneuerbarer Energie ist immens“, warnen sie. Weil auch viele Bundesländer die KPC-Liste für ihre Landesförderungen heranziehen, drohe das Ende vieler Förderungen. „Derzeit müssen wir mit einem kurzfristigen und umfassenden Ausfall der Förderungen in ganz Österreich rechnen“, so die Hersteller. Sie fordern eine Übergangsfrist von zwei Jahren. „Frühestens in zwei Jahren hat man marktfähige Alternativen“, sagt Hans-Jörg Hoheisel, Geschäftsführer beim Osttiroler IDM, dem größten heimischen Hersteller von Heizwärmepumpen. Auch andere Staaten hätten eine Lösung gefunden. Er ortet hier „Golden Plating“ ausgerechnet bei jener Regierung, die laufend die Übererfüllung von EU-Vorgaben kritisiert.

Das Ministerium wehrt sich. Seit 2014 sei bekannt, dass Österreich wegen eines Vertragsverletzungsverfahrens die EU-Vorgaben zum Kältemittel übernehmen muss. Und: Es gibt „offensichtlich auch Anbieter, die die Umstellung im Bereich Kältemittel schneller vollzogen haben“, moniert das Umweltministerium. Für betriebliche Projekte akzeptiere man bis Jahresende Förder-Anträge für Wärmepumpen mit R410a, für Private sei die Frist im Februar abgelaufen.

Die Förder-Änderung würde asiatische Hersteller bevorzugen, die bei Kältemittel bereits umgestellt hätten, sagt IDM-Chef Hoheisel. Warum dies heimischen Erzeugern noch nicht gelungen sei? „Bei Chinesen geht es um kleinere Leistungsgrößen. Ab einer gewissen Menge an Kältemittel gibt es jedoch Probleme, etwa in der Wartung“, so Hoheisel: „Es wäre schön, wenn die Wärmepumpe ankommt und das Ministerium von der landwirtschaftlichen Dominanz wegkommt.“


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