Letztes Update am Di, 30.10.2018 17:59

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wirtschaftspolitik

Arbeitszeit als Knackpunkt bei Handels-KV: Gewerkschaft verärgert

„Wir vermissen jede Ernsthaftigkeit“, sagte die Arbeitnehmer-Verhandlerin nach dem Auftakt der KV-Gespräche über die Arbeitgeber-Seite. Der nächste Verhandlungstermin ist für 8. November angesetzt.

© APADie Arbeitnehmer-Verhandler zum Start der KV-Gespräche im Handel.



Wien – Die erste Verhandlungsrunde zum Kollektivvertrag 2019 für die rund 407.000 Angestellten und 15.000 Lehrlinge im Einzel-, Groß- und Kfz-Handel ist am Dienstag ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Die Gewerkschaft zeigte sich verärgert darüber, dass die Arbeitgeber nicht über die Arbeitszeit sprechen wollten. Die Arbeitnehmervertreter haben deswegen keinen Zielwert für das geforderte Gehaltsplus genannt.

„Wir vermissen jede Ernsthaftigkeit“, sagte die Arbeitnehmer-Verhandlerin und Wirtschaftsbereichssekretärin der Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-DJP), Anita Palkovich, zur APA. „Die Arbeitgeberseite betreibt Gesprächsverweigerung beim Thema Arbeitszeit“. Das neue Arbeitszeitgesetz wirke sich negativ auf die Lebensqualität der Beschäftigten aus. „Wenn es in der Tonart weitergeht, werden wir Aktivitäten setzen“, kündigte die Arbeitnehmer-Verhandlerin an.

Arbeitgeber-Chefverhandler sieht „zähen Auftakt“

„Es war ein Auftakt, der sich zäh gestaltet hat“, kommentierte Peter Buchmüller, Obmann der Bundessparte Handel der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) und Chefverhandler der Arbeitgeber-Seite, in einer Aussendung die erste Verhandlungsrunde. Die Arbeitgeber seien bereit zu einer Reallohnerhöhung und würden auch bei der Höhe der Lehrlingsentschädigungen erneut „einen größeren Schritt“ machen.

Wenig kompromissbereit zeigen sich die Arbeitgeber bei der Gewerkschaftsforderung nach einer Abfederung der Arbeitszeitflexibilisierung: „Bei Bedarf flexibel arbeiten zu können kommt auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zugute, die Nachfrage ist groß“, betonte der Handelsobmann.

Die Gewerkschaft und die Arbeitgeber verwenden für die KV-Verhandlungen die Inflationsrate der vergangenen zwölf Monate. Zwischen Oktober 2017 und September 2018 lag die Teuerungsrate in Österreich im Schnitt bei 2 Prozent.

Derzeit gibt es im Handel eine Gehaltstabelle für den Kollektivvertrag (KV) alt und den KV neu. Aktuell liegt das kollektivvertragliche Mindestgehalt für Vollzeitangestellte im alten Handels-KV bei 1586 Euro brutto pro Monat, das sind 1276 Euro netto laufender Bezug und im neuen KV bei 1636 Euro brutto oder 1308 Euro netto. Beim Abschluss im vergangenen Jahr einigten sich Arbeitgeber und Gewerkschaft auf eine Erhöhung der Mindestgehälter von 2,35 bis 2,6 Prozent.

Neuer Handels-KV gilt seit Ende 2017

Seit Dezember 2017 gilt der neue, reformierte Handels-KV. Die rund 80.000 Handelsbetriebe haben allerdings bis Ende 2021 Zeit, auf das neue Schema umzusteigen. Die großen Handelsketten haben laut Gewerkschaftsangaben noch nicht auf den neuen Handels-KV umgestellt. Profiteure des reformierten Handels-KV sind Junge bzw. Berufseinsteiger, Älteren hingegen werden künftig weniger Vordienstzeiten angerechnet, wodurch sie zwar weniger verdienen, aber für die Arbeitgeber „günstiger“ werden und dadurch leichter wieder einen Job finden sollen.

Der nächste Verhandlungstermin ist für den 8. November angesetzt. (APA)


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