Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 16.11.2018


Wirtschaftspolitik

Neuer Stil, mehr Service und Sparstift für Wirtschaftskammer

Die Wirtschaftskammer müsse noch besser und schneller werden, sagt der neue Präsident Christoph Walser. Die Sozialpartnerschaft sei intakt.

© Foto TT / Rudy De Moor



Innsbruck – Drei Dinge sind dem frischgekürten Kammer-Chef Walser besonders wichtig, wie er bei der Antrittspressekonferenz betonte: ein noch engerer Kontakt zu den Mitgliedern, mehr Service, die Interessenvertretung und vor allem die Bildung. „Wir haben mit Christoph Walser die richtige Persönlichkeit, zum richtigen Zeitpunkt, am richtigen Ort“, meinte der Präsident der Wirtschaftskammer Österreich, Harald Mahrer.

Besonders am Herzen liegt den beiden Präsidenten das Thema Bildung und Fachkräfte. Allein in Tirol würden aktuell 20.000 Fachkräfte fehlen – und laut Mahrer sind 63 Prozent der Betriebe überzeugt, dass sich die Situation noch verschlimmern wird. „Das ist sowohl ein Wachstums- als auch Investitionshemmer und führt zu einer bedrohlichen Lage“, so Mahrer.

Für Walser braucht es eine Offensive bei der Lehrausbildung. „Wir brauchen in der Gesellschaft einen Rückhalt für die Lehre, die beste Berufsausbildung der Welt. Man muss wieder stolz darauf sein“, betonte Walser. Er will eine neue „berufspraktische“ Ausbildung in das Bildungssystem integrieren, die in alle Richtungen offen sein solle.

Die Kammern müssten effizienter werden und sparen, so Mahrer und Walser mit Hinweis auf die Reduktion der Kammerumlagen, was allein in Tirol 3 Mio. Euro weniger bedeute. Man spare aus eigenem Antrieb, so Mahrer, und das erwarte er sich auch von den anderen Kammern.

Trotz des Sparkurses solle der Service für die Mitglieder besser werden, kündigt Walser an. „Wir haben beim Service ein gut aufgestelltes Haus, allerdings kann man immer noch besser und schneller werden“, so Walser. Die Mitglieder sollten das Gefühl haben, dass sie in der Tiroler Wirtschaftskammer sehr gut aufgehoben seien und eine kompetente Auskunft bekommen. Laut Direktorin Evelyn Geiger-Anker wurden heuer mehr als 60.000 Service-Kontakte von den Tiroler WK-Mitarbeitern bereits bearbeitet. „Wir haben damit 35 Prozent aller Unternehmer im Land erreicht. 90 Prozent aller Großbetriebe und 87 Prozent der mittleren Betriebe. Wir sind präsent und stark in Kontakt. Durch Betriebsbesuche soll die Mitgliedernähe noch gesteigert werden.“

Eine vom abgetretenen Präsidenten Jürgen Bodenseer noch ins Spiel gebrachte Direktwahl der Kammerpräsidenten sehen sowohl Mahrer als auch Walser als nicht notwendig an, da die bisherige Wahlsystematik in der Wirtschaftskammer sehr gut funktioniere. Man wolle sich einer allfälligen Diskussion aber auch nicht vollkommen verschließen.

Einen anderen Stil kündigt Walser in der Interessenvertretung an. „Es wird nicht mein Stil sein zu schimpfen. Wir werden konstruktive und fachlich fundierte Vorschläge auf Gemeinde-, Landes- und Bundesebene einbringen und hart in der Sache sein – aber niemals untergriffig.“

Für Mahrer ist die Sozialpartnerschaft nicht in der Krise, es gebe weiterhin eine „exzellente Gesprächsbasis“ zu AK und Gewerkschaften. Die laufenden Lohnrunden seien diesmal „etwas deftiger“. Streiks wollte er nicht generell verurteilen. Es dürfe auch manchmal „rumpeln“, entscheidend sei dann aber, dass „auf Augenhöhe und mit Augenmaß“ verhandelt werde, damit etwas Vernünftiges herauskomme. Mahrer verwahrt sich jedenfalls gegen „Zurufe von außen, und das gilt auch für die Bundesregierung“. (va)