Letztes Update am Do, 08.11.2018 12:23

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Konjunktur

EU-Herbstprognose: Arbeitslosigkeit in Österreich sinkt weiter

Am Donnerstag wurde die EU-Herbstprognose veröffentlicht. Demnach hält die positive Wachstumsdynamik der österreichischen Wirtschaft an, Arbeitslosigkeit und Haushaltsdefizit sinken.

© dpa/Boris RoesslerSymbolbild.



Brüssel, Wien – Die positive Wachstumsdynamik der österreichischen Wirtschaft bleibt 2018 stark, wird sich 2019 und 2020 aber etwas abschwächen. Das ergab die am Donnerstag veröffentlichte EU-Herbstprognose. Der Haupttreiber des Wachstums bleibe die Inlandsnachfrage. Stabile Steuereinnahmen würden das Gesamtsaldo der Regierung verbessern und ein ausgeglichenes Budget 2019 möglich machen, schätzt die Kommission.

Für 2018 erwartet die Brüsseler Behörde ein BIP-Wachstum von 2,7 Prozent, eine leichte Steigerung gegenüber den 2,6 Prozent von 2017. Angesichts einer Zunahme des privaten Konsums, einer guten Arbeitsmarktentwicklung, steigender Löhne und nachhaltiger Investitionen bleibe die Inlandsnachfrage der Haupttreiber des Wachstums. Auch habe sich der Bausektor nach mehreren Jahren verhaltenen Wachstums erholt und das Exportwachstum bleibe trotz weniger dynamischen Wachstums internationaler Märkte stark, so die EU-Kommission.

Verlangsamung der Zunahme im Bausektor

2019 und 2020 verringere sich das Wachstum auf 2,0 bzw. 1,8 Prozent. Die Zunahme im Bausektor werde sich in den kommenden zwei Jahren etwas verlangsamen, bleibe aber angesichts von Bevölkerungswachstum und steigenden Immobilienpreisen robust. Aufgrund des erwarteten schwächeren Wachstums der Haupthandelspartner Österreichs, werde sich auch das Exportwachstum verlangsamen.

Die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt soll indes anhalten. So erwartet die EU-Kommission ein Sinken der Arbeitslosenrate von 4,8 Prozent 2018 auf 4,4 Prozent 2020. Die Inflation soll 2018 leicht über zwei Prozent liegen, steigende Löhne und eine höhere Inlandsnachfrage würden sie 2019 auf 2,1 Prozent ansteigen lassen, ehe 2020 sinkende Energiepreise wieder eine Inflation von 2,0 Prozent erwarten lassen.

Das Budgetdefizit Österreichs werde weiter zurückgehen, schätzt die Kommission. So werde erwartet, dass der Anteil der Staatsausgaben am BIP von 49,2 Prozent 2017 auf 48,7 Prozent 2018 zurückgehe. Dies sei vor allem auf höhere Steuereinnahmen zurückzuführen. Höhere bundesstaatliche Ausgaben für die Pflege würden allerdings einen weiteren Rückgang verhindern.

Für 2019 dürfte das Gesamtsaldo ausgeglichen ausfallen, trotz höherer Ausgaben für den Familienbonus. 2020 könnte der gesamtstaatliche Saldo einen Überschuss von 0,1 Prozent des BIP ergeben, wegen einer für dieses Jahr geplanten Steuerreform, könnten aber die Auswirkungen auf das Budget noch nicht abgeschätzt werden, stellt die EU-Kommission fest. Die Staatsschulden würden jedoch von 78,3 Prozent des BIP 2017 auf 74,5 Prozent 2018 und 71,0 Prozent 2019 zurückgehen.

Arbeitslosigkeit sinkt weiter

Die Arbeitslosigkeit in Österreich wird heuer und in den nächsten Jahren weiter sinken. Bei der EU-27 ohne die Briten wird es im laufenden Jahr dagegen mit 7,4 Prozent eine deutliche Verschlechterung gegenüber der Frühjahrsprognose mit noch 6,9 Prozent geben. Für die Eurozone sieht die EU-Herbstprognose unveränderte Werte vor.

Österreichs Arbeitslosigkeit wird laut der am Donnerstag von der EU-Kommission präsentierten wirtschaftlichen Vorausschau heuer 4,8 Prozent betragen. Die Frühjahrsprognose hatte noch 5,2 Prozent vorausgesagt. Auch 2019 wird es eine Verbesserung von 5,0 auf 4,6 Prozent geben. 2020 ist ein weiterer Rückgang der Arbeitslosigkeit in Österreich auf 4,4 Prozent prophezeit.

Die Eurozone kann weiterhin unverändert mit 8,4 Prozent im laufenden Jahr und mit 7,9 Prozent 2019 rechnen. 2020 weist die Herbstprognose einen Rückgang auf 7,5 Prozent aus.

Für die gesamte EU gibt es ein divergierendes Bild, je nachdem ob man die Briten einrechnet oder nicht. Für das laufende Jahr verbessert sich inklusive Großbritannien für die EU-28 der Wert von 7,1 Prozent auf 6,9 Prozent und für 2019 von 6,7 Prozent auf 6,6 Prozent. Ohne die Briten dagegen erhöht sich die Arbeitslosigkeit von 6,9 auf 7,4 Prozent 2018 und von 6,5 auf 7,0 Prozent im nächsten Jahr. Für 2020 ist - dann eindeutig ohne die Briten, die Ende März 2019 aus der EU ausscheiden - ein weiterer Rückgang der Arbeitslosigkeit in der EU-27 auf 6,6 Prozent vorausgesagt.

Höchste Arbeitslosenrate in Griechenland

Weiterhin die höchste Arbeitslosenrate wird 2018 für Griechenland (19,6 Prozent) prophezeit. 2019 wird ein leichter Rückgang auf 18,2 Prozent und 2020 ein weiteres Absinken auf 16,9 Prozent erwartet. Dann folgt Spanien (15,6 Prozent für heuer, 14,4 Prozent für 2019 und 13,3 Prozent für 2020). Die dritthöchste Arbeitslosigkeit wird für Italien (10,7 Prozent im laufenden Jahr, 10,4 Prozent für 2019 und 10,0 Prozent für 2020) erwartet. Am geringsten wird die Arbeitslosenrate für Tschechien ausgewiesen (2,4 Prozent heuer, 2,5 Prozent 2019 und 2,5 Prozent 2020).


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