Letztes Update am Sa, 10.11.2018 07:22

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wirtschaftspolitik

Keine Einigung bei KV-Verhandlungen der Metaller: Streik ab Montag

Die Gewerkschaft hat die Metaller-KV-Verhandlungen abgebrochen, ab Montag finden Warnstreiks in Unternehmen statt. FPÖ-Vizekanzler Strache fordert eine „faire Erhöhung“.

© iStockSymbolbild.



Von Stefan Eckerieder

und Cornelia Ritzer

Wien, Innsbruck – Seit Längerem wurde es vermutet, seit der Nacht auf Freitag ist es fix: Ab Montag gibt es Warnstreiks in Unternehmen der metalltechnischen Industrie. Die Gewerkschaftsverhandler unter der Führung von Rainer Wimmer (PRO-GE) und Karl Dürtscher (GPA-djp) fühlen sich nach den erfolglosen Gesprächen „ein bisschen verarscht“. Auf der anderen Seite zeigt sich Arbeitgebervertreter Christian Knill, Obmann der Metalltechnischen Industrie, vom Gesprächsabbruch „überrascht“ und wehrt sich gegen „Unterstellungen der Gewerkschaft“. Das Gesprächsklima scheint zerrüttet.

Fakt ist, dass auch in der fünften Verhandlungsrunde kein Konsens gefunden wurde. Die Gewerkschaften fordern bekanntlich ein Lohn- und Gehaltsplus von 5 Prozent oder mindestens 100 Euro mehr. Dazu wollen sie umfangreiche Zugeständnisse im Rahmenrecht. Die Arbeitgeberseite bot laut eigenen Angaben 2,7 Prozent, samt Zugeständnissen im Rahmenrecht sei das ein Angebot von „mehr als 3 Prozent“ gewesen.

Nach den geplatzten Verhandlungen ging der Streit weiter. Laut Dürtscher hat es ein solches Angebot der Arbeitgeber „so nicht gegeben“. „Mir Unwahrheiten vorzuwerfen, ist schlechter Stil und inakzeptabel“, konterte Knill.

Angesichts der ÖVP/FPÖ-Regierung ortet der Politikwissenschafter Peter Filzmaier „einen Elchtest für die Sozialpartnerschaft“. Zugleich gab es aus der Regierung im Vorfeld Empfehlungen.

In den Abschlüssen solle sich die „gute Stimmung für die Wirtschaft und den Standort spürbar wiederfinden“, sagten ÖVP-Bundeskanzler Sebastian Kurz und FPÖ-Vizekanzler Heinz-Christian Strache im September: Es brauche ein „faires Angebot und eine faire Erhöhung“, bekräftigte Strache gestern gegenüber der TT. „Alle sollen vom Aufschwung fair profitieren. Wirtschaft und Arbeitnehmer.“ Der FPÖ-Chef zeigt Verständnis für die Gewerkschaft: „Streik ist ein absolut legitimes letztes Kampfmittel“, Konflikte seien aber „besser am Verhandlungstisch zu lösen als auf der Straße“.

Wenig von der Einmischung der Regierung in die Lohnrunde halten die Verhandler auf beiden Seiten. „Es ist nett, dass die Regierung das gesagt hat. Wir sind da aber einer Meinung, wir wollen nicht, dass von außen hineinregiert wird“, sagt der Tiroler PRO-GE-Landessekretär Robert Koschin. Zugleich vermutet Koschin, dass die aktuelle Regierungskonstellation dazu führe, dass „gewisse Unternehmer Morgenluft wittern“.

Mit der stockenden Lohnrunde in der Metallindustrie werden auch rasche Abschlüsse bei den gleichzeitig stattfindenden KV-Verhandlungen in fünf weiteren Metaller-Sparten unwahrscheinlich. Diese orientieren sich traditionell am Abschluss des größten Fachverbandes. Somit scheint eine Ausweitung der Warnstreiks auf die Gießerei-, die Fahrzeugindustrie, Bergbau-Stahl-Betriebe, die Nichteisen-Metallindustrie sowie Gas- und Wärmeversorgungsunternehmen möglich.


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