Letztes Update am Di, 20.11.2018 22:48

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Nach Festnahme

Renault hält trotz Festnahme an Ghosn fest, Übergangschef ernannt

Auto-Boss Carlos Ghosn wurde am Montag in Japan unter dem Verdacht der Veruntreuung von Firmengeldern festgenommen. Frankreich bemüht sich nun um den Fortbestand der Allianz aus Renault und Nissan.

Carlos Ghosn ist weltweit einer der einflussreichsten Automanager. Er gilt als Architekt der Allianz aus Renault und Nissan, zu der auch der japanische Autobauer Mitsubishi gehört.

© imago stock&peopleCarlos Ghosn ist weltweit einer der einflussreichsten Automanager. Er gilt als Architekt der Allianz aus Renault und Nissan, zu der auch der japanische Autobauer Mitsubishi gehört.



Paris – Nach der Festnahme von Auto-Boss Carlos Ghosn bemüht sich Frankreich um den Fortbestand der Allianz aus Renault und Nissan. Die Partnerschaft der beiden Autobauer sei im Interesse von Frankreich und Japan sowie der beiden Unternehmen, sagte Finanzminister Bruno Le Maire am Dienstag dem französischen Sender Info radio. Er kündigte Gespräche mit der japanischen Seite über das Thema an.

Vorrang habe für Frankreich die Stabilität von Renault. Ghosn sei derzeit nicht in der Lage, das Unternehmen zu führen. Er habe die französischen Steuerbehörden gebeten, sich den Fall anzusehen. Der französische Staat ist mit 15 Prozent an Renault beteiligt, der seinerseits 43,4 Prozent an Nissan hält.

Trotz seiner Festnahme bleibt Carlos Ghosn offiziell Chef des französischen Autobauers Renault. Das beschloss der Verwaltungsrat des Konzerns am Dienstagabend. Zugleich wurde die bisherige Nummer zwei bei Renault, Thierry Bollore, zum Übergangsvorsitzenden ernannt. Ghosn bleibt demnach als Vorsitzender vorerst im Unternehmen, Bollore wird künftig dieselben Befugnisse wie er haben.

Verdacht der Veruntreuung von Firmengeldern

Carlos Ghosn war am Vortag in Japan unter dem Verdacht der Veruntreuung von Firmengeldern festgenommen worden. Bei monatelangen Untersuchungen sei herausgekommen, dass der 64-Jährige Verwaltungsratschef von Nissan Firmengelder für private Zwecke verwendet und über Jahre zu niedrige Angaben zu seinem Einkommen gemacht habe. An der Börse und in der Branche hatte die Nachricht eine Schockwelle ausgelöst. Die Aktien von Renault und Nissan hatten deutlich an Wert verloren.

Ghosn ist weltweit einer der einflussreichsten Automanager. Er gilt als Architekt der Allianz aus Renault und Nissan, zu der auch der japanische Autobauer Mitsubishi gehört. Experten befürchten, die Allianz könnte auseinanderfallen, wenn Ghosn nicht mehr die Fäden in der Hand hält.

Mitsubishi stellt Bündnis infrage

Mitsubishi hat das geplante Bündnis mit Nissan und Renault infrage gestellt. Die Allianz werde ohne den derzeit inhaftierten Renault-Chef Carlos Ghosn schwer zu managen sein, sagte Mitsubishi-Chef Osamu Masuko am Dienstag. Der Verwaltungsrat werde sich wohl in der kommenden Woche mit der Angelegenheit befassen.

Unterdessen bestätigte eine Sprecherin des Unternehmens, dass der Verwaltungsrat von Renault am Dienstagabend zusammenkommen wird, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Der französische Wirtschafts-und Finanzminister Bruno Le Maire hatte den Verwaltungsrat unmissverständlich aufgefordert, rasch zusammenzutreten und eine kommissarische Führung für Renault einzusetzen. Der französische Staat hält 15 Prozent der Anteile bei Renault und ist damit ein zentraler Akteur in der Krise.

Frankreich und Japan stützen Bündnis Renault-Nissan

Frankreich und Japan stellen sich demonstrativ hinter die Allianz der großen Autobauer aus beiden Ländern. Renault und Nissan würden den weltweit führenden Hersteller bilden, das Bündnis sei damit „eines der größten Symbole der industriellen Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Japan“ und solle beibehalten werden.

Das teilten der französische Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire und der japanische Minister für Wirtschaft, Handel und Industrie, Hiroshige Seko, am Dienstag nach einem Telefongespräch mit.

„Die beiden Minister haben die bedeutende Unterstützung der französischen und der japanischen Regierung für die Allianz zwischen Renault und Nissan bekräftigt(...)“, teilte Le Maires Ministerium in Paris mit. Wie die Unterstützung im Detail aussieht, blieb offen. (APA/dpa/Reuters)