Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 30.11.2018


Exklusiv

Hochoetz-Kühtai: Bauern fühlen sich hintergangen

14 der 22 Mitglieder der Agrar Ochsengarten kritisieren Nicht-Information. Substanzverwalter: Aufklärung kommt, aber ihre Erlaubnis benötigt es nicht.

© EstermannDer Protest gegen den geplanten Skigebietszusammenschluss – hier die Feldringer Böden – wird immer breiter. 9000 Personen haben eine Online-Petition bereits unterschrieben, jetzt wehren sich auch die Bauern.



Oetz, Haiming – Noch vor Weihnachten wollen die Oetzer Bergbahnen die geplante Skigebietsverbindung Hochoetz-Kühtai zum Genehmigungsverfahren beim Land Tirol einreichen. Die Pläne sind umstritten, aber weit gediehen. Trotzdem wurde mit den betroffenen Grundbesitzern, wie der Gemeindeguts­agrargemeinschaft Ochsengarten, bisher nicht geredet. Im Gegensatz zu den Agrarmitgliedern dürften die Agrarspitzen, wie Agrarobmann Alois Burkert, sein Stellvertreter sowie der Substanzverwalter und Haiminger Gemeinderat Hubert Leitner, sehr wohl eingeweiht worden sein. Zählen sie doch zu Befürwortern des Zusammenschlusses.

Doch diese Nicht-Informationspolitik lassen sich die Bauern als Grundbesitzer und Nutzungsberechtigte an Wald und Weide nicht länger bieten. Zumal auch die jährlich stattfindende Vollversammlung im Juni ausgerechnet heuer nicht abgehalten wurde. So gab es keine Aufklärung über das Vorhaben. Aus ihrer Sicht geht es nämlich um gravierende Änderungen auf ihrem Grundbesitz, bei den Weiderechten und den forstwirtschaftlichen Nutzungen. Schließlich würde die notwendige Mittelstation auf Agrargemeinschaftsgrund errichtet werden und so mitten im Weidegebiet stehen.

Weil sie ihre Interessen nicht mehr von der Agrarführung vertreten sehen, haben die betroffenen Agrarmitglieder eine Unterschriftenaktion gestartet. Darin heißt es: „Nach offiziellen Angaben sind die Verhandlungen mit uns Grundbesitzern der Agrargemeinschaft Ochsengarten bezüglich Liftzusammenschluss Hochoetz-Kühtai bereits abgeschlossen. Ich bestätige mit meiner Unterschrift, dass bis zum heutigen Datum es weder eine Sitzung noch eine Information und schon gar keine Abstimmung darüber gegeben hat. Ich fühle mich von meinen offiziellen Vertretern hintergangen. Die Bauern und Grundeigentümer der Agrargemeinschaft Ochsengarten.“ Das sagt wohl alles über die bisherige Vorgangsweise. 14 der 22 Agrarmitglieder unterschrieben diese Protestnote.

Substanzverwalter Hubert Leitner versteht die Kritik nicht. „Es wird nächste Woche in der Agrarsitzung eine Information für die Bauern geben“, kündigt er an. Warum so spät? „Weil ich selbst erst vor drei Wochen von den konkreten Skigebietsplänen erfahren habe.“ Gleichzeitig blieb der Substanzverwalter der Gemeinde nicht untätig und hat sich laut eigenen Angaben bereits bei der Agrarbehörde erkundigt, ob für das Projekt das Einverständnis der Mitglieder benötigt werde. Die Antwort lautet „Nein“. Leitner möchte darauf hinweisen, dass man sehr wohl die Grundbesitzer informieren werde. „Aber die Zustimmung ist nur von der Gemeinde notwendig.“

Die Agrarsitzung am 5. Dezember verspricht jedenfalls spannend zu werden. Schließlich gehen die Bauern davon aus, dass bereits über ihre Köpfe hinweg entschieden wurde. (pn)




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