Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 19.01.2019


Wirtschaftspolitik

Export-Rekord trotz Dürre, Brexit lässt Agrarier zittern

Österreich hat 2018 Lebensmittel im Wert von 11,5 Mrd. Euro exportiert. „Hard Brexit“ könnte Märkte schlimmer belasten als das Russland-Embargo.

Großbritannien will am 30. März 2019 aus der Europäischen Union austreten. Die Folgen sind mitunter weitreichend.

© iStockphotoGroßbritannien will am 30. März 2019 aus der Europäischen Union austreten. Die Folgen sind mitunter weitreichend.



Aus Berlin: Stefan Eckerieder

Berlin – Energy-Drinks und Käse sind die Exportschlager der heimischen Lebensmittelerzeuger und haben den Lebensmittelausfuhren im vergangenen Jahr zu einem neuen Allzeithoch verholfen. Die Agrar- und Nahrungsmittelexporte stiegen im Vergleich zu 2017 um 3,9 Prozent auf 11,55 Mrd. Euro, obwohl Dürre und Unwetter Ernteerträge von mehr als 200 Mio. Euro vernichteten, so die Agrarmarkt Austria (AMA) bei der weltgrößten Agrar-Messe „Internationale Grüne Woche“ in Berlin.

„Die Entwicklung ist hervorragend, und die hervorragende Entwicklung setzt sich fort“, sagte der Chef der Agrarmarkt Austria (AMA), Michael Blass. Denn auch die Außenhandelsbilanz bei Agrarprodukten ist von minus 900 Mio. Euro im Jahr 2017 auf minus 706 Mio. Euro gesunken. Zwei von drei in Österreich erzeugten Produkten werden exportiert.

Den größten Anteil an den heimischen Lebensmittelausfuhren haben alkoholfreie Getränke mit knapp 20 Prozent oder 2,1 Mrd. Euro. „Energy­Drinks haben einen erheblichen Anteil“, so Blass mit Verweis auf den Salzburger Brause-Hersteller Red Bull, wobei er betonte, dass Markenanteile nicht gesondert errechnet werden. Dahinter folgen laut vorläufigen AMA-Zahlen Käse (622,5 Mio. Euro), Tierfutter (614,2 Mio. Euro), Backwaren (576,1 Mio. Euro), andere Lebensmittelzubereitungen (529,8 Mio. Euro), Rindfleisch (445,3 Mio. Euro) und Schokoladenwaren (371,1 Mio. Euro).

Wichtigster Abnehmer ist Deutschland. Mehr als ein Drittel der Agrar-Exporte gehen zum nördlichen Nachbarn (-4,9). Italien habe bedingt durch seine wirtschaftlichen Turbulenzen Österreich im Vorjahr deutlich weniger Lebensmittel abgenommen. Trotz des Rückgangs von 5,9 Prozent bleibt der südliche Nachbar zweitwichtigster Absatzmarkt, vor den USA, wo es ein Plus von 3,9 Prozent gab.

Auch nach Großbritannien wurde 2018 deutlich mehr exportiert (+20 Prozent). Als Grund nannte Blass Vorziehkäufe wegen des Brexits. Obwohl das Vereinigte Königreich nicht zu den zehn wichtigsten Abnehmern von österreichischen Agrarprodukten gehört, würde ein so genannter „Hard Brexit“ die heimischen Erzeuger treffen. Blass erwartet, dass in diesem Fall die europäischen Exporteure einander auf den verbleibenden Märkten noch härter begegnen werden als bisher. Etwaige Auswirkungen dürften größer sein als durch die Russlandsanktionen, meint der AMA-Chef. Laut Bauernbund-Chef Georg Strasser könnten die EU-Märkte z. B. von irischer Milch oder dänischem Rindfleisch überschwemmt werden, wenn der britische Absatzmarkt etwa durch Zölle blockiert sei. Von möglichen „Markterschütterungen“ warnte auch EU-Agrarkommissar Phil Hogan. Er kündigte für den Fall „außergewöhnliche Maßnahmen“ für die EU-Bauern an. Konkrete Vorschläge soll es in den kommenden Tagen geben.

null
-