Letztes Update am Fr, 15.02.2019 15:12

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wirtschaftsbeziehungen

JEFTA: Wien und Tokio wollen Wirtschaftsbeziehungen ausbauen

Bundeskanzler Kurz in Japan mit Premier Abe zusammengetroffen. Vor 150 Jahren nahmen Österreich und Japan Beziehungen auf.

Kanzler Kurz stattete in Tokio dem Honda-Konzern einen Besuch ab.

© APAKanzler Kurz stattete in Tokio dem Honda-Konzern einen Besuch ab.



Tokio, Wien, Brüssel – Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat am Freitag seine Ostasien-Reise in Japan fortgesetzt. In Tokio empfing ihn Premierminister Shinzo Abe. Beide waren sich nach ihrem Gespräch einig, dass das am 1. Februar in Kraft getretene Handelsabkommens der EU mit Japan (JEFTA) neue Impulse zur Stärkung der bilateralen Handelsbeziehungen geben sollte.

Wie schon Kurz‘ Besuch am Donnerstag in Südkorea steht auch die Visite in Japan vor allem im Zeichen der Wirtschaftsbeziehungen sowie des Austausches im Wissenschafts- und Technologiebereich. Kurz wird von Wissenschaftsminister Heinz Faßmann (ÖVP) und Technologieminister Norbert Hofer (FPÖ) begleitet.

Zweitgrößter Markt in Asien

Hinter China ist Japan der zweitgrößte Markt für Exportgüter und -dienstleistungen österreichischer Firmen in Asien. Die Außenhandelsbilanz mit Japan ist aus österreichischer Sicht negativ. Österreich exportierte laut Wirtschaftskammer 2017 in einem Ausmaß von 767 Millionen Euro weniger nach Japan als es von dort importierte. Durch JEFTA wurden die Zölle und andere Handelshemmnisse zwischen den EU-Staaten und Japan nahezu vollständig abgebaut.

Thema zwischen Abe und Kurz waren auch die Europa- sowie die Weltpolitik. Abe ersuchte bei einem gemeinsamen Auftritt mit Kurz vor der Presse, bei dem keine Fragen zugelassen waren, die Auswirkungen des Brexit zu minimieren. Mit der Aussage „Ein No-Deal-Brexit sollte vermieden werden“, unterstützte der japanische Premier die Linie des Bundeskanzlers. Entlang des Kurses Österreichs sprach sich Abe auch dafür aus, die Integration der Westbalkan-Staaten in die EU voranzutreiben.

Beide Regierungschefs unterstrichen ferner ihren Willen, sich für eine atomwaffenfreie Welt einzusetzen. Mit Blick auf das zweite Treffen von US-Präsident Donald Trump mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un Ende des Monats waren sich beide einig, dass die internationale Staatengemeinschaft die Bemühungen zur Lösung des Konflikts um das nordkoreanische Atomwaffen- und Raketenprogramm unterstützen sollte.

Fahrender Elektro-Hocker

Kanzler Kurz stattete in Tokio außerdem dem Honda-Konzern einen Besuch ab. Honda ist nicht nur der größte Motorenhersteller der Welt, Honda ist auch in der Robotertechnologie tätig. So machten Kurz und Technologieminister Norbert Hofer (FPÖ) mit dem Roboter Asimo Bekanntschaft, der nicht nur hüpfen und sprechen kann, sondern auch die Gebärdensprache beherrscht. In Zukunft arbeitet Honda Robotics mit Blick auf die überalterte Bevölkerung darauf hin, Roboter etwa in der Altenbetreuung einzusetzen. So könnten Asimos alten Menschen beim Gehen helfen. Trotz Überalterung setzt Japan zumindest nicht auf Zuwanderung im großen Stil oder unbefristet, um an Pflegekräfte zu kommen.

Kurz probierte im Beisein von Honda-Boss Takahiro Hachigo auch eine Art „fahrenden Elektro-Hocker“, genannt Unicub aus, der sich mit Gewichtsverlagerung steuern lässt und posierte vor einem Formel-1-Boliden von Honda. Erstmals fährt Red Bull heuer statt mit Renault mit Honda-Motoren. (APA)