Letztes Update am Di, 26.02.2019 06:20

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Klimaerwärmung

32,7 Prozent der Energie aus erneuerbaren Trägern, Kritik an Biomasse

45 Prozent der in Tirol verbrauchten Energie stammen aus erneuerbaren Quellen. Wissenschafter zweifeln an der Nachhaltigkeit von Biomasse.

Für die EASAC leistet Energie aus Waldbiomasse keinen effektiven Beitrag zur Verringerung des Klimawandels.

© istockFür die EASAC leistet Energie aus Waldbiomasse keinen effektiven Beitrag zur Verringerung des Klimawandels.



Wien – Österreich liegt im EU-Vergleich auf Platz fünf beim Anteil erneuerbarer Energie. 2017 stammten 32,7 Prozent am gesamten Energiemix in Österreich aus erneuerbaren Energieträgern, erklärte der Österreichische Biomasseverband gestern bei einer Pressekonferenz in Wien. Erdgas, Erdöl und Kohle haben am Pro-Kopf-Verbrauch weiter den größten Anteil und sind auch konjunkturbedingt zuletzt gestiegen. Biomasse hätte aber das Potenzial, die fossilen Energiequellen abzulösen, betont der Präsident des Verbandes Franz Titschenbacher.

Die bisher eingesetzte Bioenergie stamme vor allem aus Nebenprodukten der Land- und Forstwirtschaft, vor allem in der Landwirtschaft gebe es aber noch unentdeckte Reststoffpotenziale, so Titschenbacher. Prognosen des Verbands zufolge könne der Verbrauch aus Bioenergie in Österreich bis 2030 bis auf knapp unter 350 Petajoule (PJ) und damit um 100 PJ zum Niveau von 2016 ausgebaut werden. Das wäre eine Erhöhung des Biomasseeinsatzes um 35 Prozent. Bis 2050 könnten sogar mehr als 450 PJ aus Bioenergie stammen, die damit zum bedeutendsten Energieträger aufsteigen. Dementsprechend fordert der Biomasseverband auch von der Regierung, sich langfristig wieder mehr auf Bioenergie zu konzentrieren, so Titschenbacher.

Tirol liegt mit einem Anteil von rund 45 Prozent erneuerbarer Energieträger deutlich über dem Österreichschnitt und bundesweit an vierter Stelle hinter Kärnten, Salzburg und dem Burgenland. Wobei man neben dem Burgenland und Salzburg nur eines von drei Bundesländern ist, das einen 100-Prozent-Anteil erneuerbarer Energieträger bei der Stromerzeugung hat. Strom wird in Tirol überwiegend aus Wasserkraft erzeugt, Fernwärme kommt zu rund 81 Prozent aus Bioenergie, der Rest wird mit fossilen Energiequellen abgedeckt.

Der Verband geht davon aus, dass 90 Prozent der 47 vom Ende staatlicher Förderungen bedrohten Biomasseanlagen auch nach der Novellierung des Ökostrom-Gesetzes eine Zukunft haben werden, denn „die nationalen Klima- und Energieziele sind nur mit Bioenergie erreichbar“, so Titschenbacher.

Die CO2-Bilanz von Bioenergie in Österreich sei positiv, sagte der Verbandspräsident. Weil in Österreich mehr Holz nachwachse und CO2 binde, als in die Verbrennung gehe.

Die nationalen Wissenschafts-Akademien der EU-Länder forderten hingegen gestern, Biomasse nicht als nachhaltige Energieform zu bezeichnen, weil die geringere Energiedichte der Biomasse und die Emissionen aus der Lieferkette bei Biomasse-Importen das CO2 in der Atmosphäre erhöhen und damit die globale Erwärmung beschleunigen. (ecke, APA)