Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 05.04.2019


Wirtschaftspolitik

Bei sehr hohen Einlagen: Erstmals Minuszins für Firmen

Großfirmen mussten in Österreich für hohe Bankeinlagen Zinsen zahlen. Sparzinsen für Private sind mickrig. OeNB: keine Immo-Blase.

Die Zinsen für neue Wohnbaukredite lagen im Dezember bei 1,82 %.

© Getty ImagesDie Zinsen für neue Wohnbaukredite lagen im Dezember bei 1,82 %.



Wien – Ende 2018 gab es für Unternehmen in Österreich bei sehr hohen Einlagen vereinzelt erstmals negative Zinsen, teilte die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) gestern mit. Firmen mussten also Zinsen zahlen, um hohe Beträge kurzfristig auf Bankkonten parken zu können. Der Zinssatz für das Einlagen-Neugeschäft in dem Bereich war im Dezember des Vorjahres mit 0,09 Prozent negativ.

Es handle sich dabei um große Unternehmen, durchaus auch aus dem Ausland wie etwa Deutschland, erklärte Nationalbank-Direktor Johannes Turner. Sie seien nicht systematisch. Von den negativen Zinsen seien zum Teil dreistellige Millionen-Euro-Beträge pro Monat betroffen. Insgesamt liege das monatliche Einlagen-Neugeschäft bei 1 bis 3 Mrd. Euro. Die Zinsen für täglich fällige Einlagen von Firmen lagen bei 0,02 %.

Bei Spareinlagen für Private sind laut einem Urteil des Obersten Gerichtshofes (OGH) negative Zinsen oder Nullzinsen nicht möglich, erinnerte Turner. Die Zinsen für neue Einlagen von Privaten lagen im Dezember für Laufzeiten von bis zu einem Jahr mit 0,21 % nahe dem historischen Tief von 0,19 %. Die Spareinlagen erreichten Ende 2018 mit rund 140 Mrd. Euro den geringsten Wert seit 2007. Die täglich fälligen Einlagen stiegen um 13 Prozent auf 159 Mrd. Euro – an Zinsen gab es für täglich fällige Einlagen 0,09 Prozent.

Gleichzeitig heizte der kräftige Wohnbau die Kreditzuwächse an. Das gesamte Kreditvolumen stieg um 5,3 Prozent auf rund 357 Mrd. Euro. Dabei wuchsen die Unternehmenskredite um 6,8 % auf einen neuen Höchststand von 153 Mrd. Euro. Die privaten Wohnbaukredite stiegen um 4,8 % auf rund 111 Mrd. Euro. Grundstücks- und Wohnungswesen bzw. die Baubranche waren für ein Wachstum des Kreditvolumens um 8 % bzw. einen Nettozuwachs um 5,4 Mrd. Euro verantwortlich.

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Seitens der Finanzmarktstabilität sieht die OeNB derzeit keine Risiken bei den Immobilien. Die Zinsen für neue Wohnbaukredite lagen im Dezember bei 1,82 %. Zur Absicherung der niedrigen Zinsen werden Fixzinsen beliebter. Die privaten Konsumkredite stiegen leicht um 0,5 %.

Abgewickelt werden die Bankgeschäfte in Österreich zunehmend digital. 60 % der Österreicher über 14 Jahre nutzen Online-Banking.(APA)