Letztes Update am Do, 07.03.2019 19:44

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Mobilfunk in Österreich

Mobilfunk-Zukunft: Erste 5G-Auktion bringt mehr ein als erwartet

Österreich hat die ersten Frequenzen für den Mobilfunkstandard 5G versteigert und deutlich mehr eingenommen als erwartet. Der Fokus der Auktionen lag auf der Qualität, betonte Wirtschaftsministerin Schramböck. Kritik an der“ Preistreiberei“ kam von T-Mobile und Drei.

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Wien — Die ersten Frequenzen für den neuen Mobilfunkstandard 5G sind in Österreich vergeben. Die Versteigerung brachte dem Staat rund 188 Millionen Euro ein. Das sind 138 Millionen Euro mehr als von der Regierung budgetiert.

A1 (Telekom Austria) gab 64 Millionen Euro aus, T-Mobile 57 Millionen Euro und Drei (Hutchison) 52 Millionen Euro. Weitere Bieter waren Mass Response (1,8 Mio. Euro), Liwest (5,3 Mio. Euro), Salzburg AG (4,4 Mio. Euro) und Holding Graz (3,0 Mio. Euro).

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Die Auktion fiel für die Branche damit deutlich günstiger aus als jene für die Vorgängertechnologie LTE (4G) im Jahr 2013. Für die Lizenzen gaben die Mobilfunker damals mehr als zwei Milliarden. Euro aus.

"Aus unserer Sicht spiegelt dieser Preis den Wert wider, den die Bieter dem Frequenzspektrum gegeben haben. Bei diesem Preis haben sich Angebot und Nachfrage getroffen", betonte Johannes Gungl, Chef der zuständigen Telekombehörde RTR .

5G - die “Fünfte Generation“

Mit der 5G-Technologie können Internetverbindungen bis zu 100-mal schneller als mit 4G-Standard angeboten werden. Dem neuen Mobilfunk wird zugetraut, das Leben der Wirtschaft völlig auf den Kopf stellen zu können.

Eigenschaften:

  • Datenraten bis zu 20 Gbit/s
  • Nutzung höherer Frequenzbereiche
  • Erhöhte Frequenzkapazität und Datendurchsatz
  • Echtzeitübertragung, weltweit 100 Milliarden Mobilfunkgeräte gleichzeitig ansprechbar
  • Latenzzeiten von unter 1 ms
  • Kompatibilität von Maschinen und Geräten
  • Geringerer Energieverbrauchs je übertragenem Bit und 90 Prozent weniger Stromverbrauch je Mobildienst

Österreich sei beim 5G-Ausbau damit in Europa in der Spitzengruppe, sowohl was die Frequenzmenge als auch den Zeitpunkt der Vergabe betreffe.

Vor allem für Ballungsgebiete geeignet

Die Lizenzen sind mit Versorgungsauflagen verbunden, ab 31. Dezember 2020 müssen 989 Funkstationen in Betrieb sein, ab 30. Juni 2022 müssen es 3264 sein. Der Großteil der Auflagen betrifft A1, T-Mobile und Drei mit zunächst je 303 und später je 1000 Standorten. Meist handelt es sich um die Umrüstung bestehender Sendemasten.

Es sind übrigens nicht alle angebotenen Frequenzblöcke auch ersteigert worden, es sei da und dort etwas übriggeblieben, so Gungl. Diese Nutzungsrechte können zu einem späteren Zeitpunkt vergeben werden. Es gebe noch Spielraum.

Zum Aufbau eines flächendeckenden Mobilfunknetzes eignet sich das versteigerte Frequenzspektrum jedoch nicht. Das Band 3,4 bis 3,8 Gigahertz (GHz) hat schlechte Ausbreitungseigenschaften, lasse dafür aber hohe Bandbreiten zu, damit sei es gut geeignet für hohe Internetgeschwindigkeiten in Ballungsräumen.

Die neuen Lizenzen sind mit Versorgungsauflagen verbunden: Bis Ende 2020 sollen insgesamt knapp 1000 Sendeanlagen aufgestellt sein.
Die neuen Lizenzen sind mit Versorgungsauflagen verbunden: Bis Ende 2020 sollen insgesamt knapp 1000 Sendeanlagen aufgestellt sein.
- APA/Punz

Physikalisch gilt, dass niedrige Frequenzen niedrigere Datenraten zulassen, sich aber größere Gebiete erschließen lassen. Auch Gebäude lassen sich mit niedrigeren Frequenzen besser versorgen. Je höher die Frequenz, desto höher die Datenrate, aber umso geringer die Ausbreitung. Deswegen müssen die Masten in einem 5G-Netz näher beieinander stehen.

Nächstes Jahr werden in einer Multiband-Auktion auch Bänder (700, 1500 und 2100 Megahertz) versteigert, die eine großflächigere Versorgung ermöglichen. Ein Mindestgebot gibt es für die Versteigerung im Frühjahr 2020 noch nicht, die Regierung hat diese mit 350 Mio. Euro budgetiert.

Erlös für Breitbandausbau zweckgebunden

Zufrieden zeigte sich Infrastrukturminister Norbert Hofer (FPÖ) mit dem Ergebnis der Versteigerung. "Das neue von der RTR gewählte Auktionsdesign war einfach und transparent", sagte Hofer am Donnerstag laut einer Mitteilung. Auch die Gliederung in Regionen sei eine gute Entscheidung gewesen. Der Auktionserlös von 188 Mio. Euro sei für die Breitbandförderung zweckgebunden.

Bemerkenswert sei die starke Beteiligung der regionalen Anbieter in Oberösterreich, Salzburg, Graz und Niederösterreich gewesen. „Um die ehrgeizigen Ziele der 5G-Strategie zu erreichen und bis Ende 2025 Österreich flächendeckend mit 5G-Diensten versorgen zu können, braucht es eine gemeinsame Anstrengung von öffentlicher Hand und den Mobilfunkern", so Hofer.

Ebenfalls zufrieden ist Telekom-Austria-Chef Thomas Arnoldner. Man sehe dies als "langfristige Investition in unser Mobilfunknetz, so Arnoldner "Mit dem Ergebnis dieser Spektrumsauktion ist der Startschuss für 5G in Österreich gefallen", meinte der CEO von A1 Österreich, Marcus Grausam. Die ersteigerten Frequenzbereiche werde man für das neue 5G-Netz und Kapazitätserweiterungen des bestehenden Mobilfunknetzes verwenden. Es werde erwartet, dass mit 5G die Kapazität mobiler Netze um den Faktor 25 gesteigert werden kann.

Kritik von Drei-Chef

Hutchison Drei Austria hat zehn landesweite Frequenzblöcke über 100 MHz zu einem Preis von 51,9 Mio. Euro erworben. "Schwächen des Auktionsdesigns haben dazu geführt, dass einzelne Akteure Preise in Regionen, in denen kein ernsthaftes Interesse bestand, in die Höhe getrieben haben", kritisiert Drei-Chef Jan Trionow.

"Wovor wir vor Auktionsbeginn ausdrücklich gewarnt haben, ist leider eingetreten", sagte Trionow am Donnerstag in einer Aussendung. "Nachdem schon die letzte Auktion im Jahr 2013 von unnötiger Preissteigerung aufgrund des Auktionsdesigns geprägt war, sollten für zukünftige Auktionen endlich konsequent die Lehren gezogen werden.

Das regionale Vergabeverfahren sei auch dafür verantwortlich, dass nicht das gesamte Spektrum landesweit vergeben wurde, kritisierte der Drei-Chef. Die wertvollen Frequenzressourcen könnten daher nicht vollständig effizient eingesetzt werden. Trionow geht davon aus, dass der Frequenzerwerb durch vier regionale Unternehmen zu einem noch härter umkämpften österreichischen Mobilfunkmarkt führen wird.

Auch T-Mobile spricht von Preistreiberei

T-Mobile hat bei der 5G-Frequenzauktion kritisiert, dass im Laufe des Vergabeprozesses der Preis für die Nutzungsrechte unter anderem in Wien in die Höhe getrieben worden sei. Diese Lizenzen seien dann übergeblieben. Die Österreich-Tochter der Deutschen Telekom plant noch heuer die ersten 5G-Antennen in Betrieb zu nehmen, sie sollen via 5G-fähigem WLAN-Router Internet in die Haushalte bringen.

T-Mobile hat - ebenso wie "Drei" (Hutchison) - Frequenzen ersteigert, die bereits ab Zustellung des Bescheides, also in wenigen Wochen Ende März oder Anfang April bereits genützt werden dürfen. T-Mobile plant in Kürze in fünf Bundesländern 25 Mobilfunkmasten mit 5G in Betrieb zu nehmen. Der Start erfolge mit WLAN-Routern, die via 5G ans Internet angebunden sind. Erst später werden die ersten 5G-Smartphones folgen.

Schramböck: Fokus lag nicht auf Erlösmaximierung

Wirtschaftsministerin Margarethe Schramböck (ÖVP) widersprach der Kritik von T-Mobile. "Im Gegensatz zu früheren Ausschreibungen lag der Fokus dieser Auktion auf Qualität und Ausrollung und nicht auf Erlösmaximierung für das Staatsbudget", so die Wirtschaftsminister.Zudem habe die Regierung mit der Überarbeitung des Telekommunikationsgesetzes den legistischen Rahmen für die rasche Breitbandversorgung gelegt.

Neben einer Flexibilisierung der Frequenznutzung etwa durch die Möglichkeit für Frequenz-Sharing seien künftig auch Leitungsrechte zur Errichtung und Anbindung von kleineren Sendeanlagen vorgesehen. "Wir schaffen einen modernen Rahmen für eine möglichst flächendeckende Breitbandversorgung und stellen die Weichen für die digitale Transformation Österreichs", so die Digitalisierungsministerin.

Strenge Geheimhaltung

Die Auktion fand unter strengen Auflagen statt. Die RTR hielt den genauen Termin im Vorfeld geheim — bekannt war nur, dass sie für Ende Februar geplant war. Die Teilnehmer der Auktion durften sich ebenfalls nicht äußern. Sie durften nicht einmal sagen, ob sie an der Versteigerung teilnehmen. Die Behörde wollte damit Hackerangriffen vorbeugen, wie Gungle sagte. Die Vergabe fand über das Internet statt. Die Spionageaffäre um den chinesischen Netzwerkausrüster Huawei spielte bei der Vergabe keine Rolle, erklärte Gungl. Dafür gebe es auch keine gesetzliche Grundlage. (APA, TT.com)




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