Letztes Update am Fr, 15.03.2019 13:46

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Geldpolitik

Inflation im Februar auf niedrigsten Wert seit Dezember 2016

Hauptpreistreiber sind nach wie vor Wohnung, Wasser und Energie. Die Diskussionen um die weiter Zins- und Geldpolitik der Europäischen Zentralbank halten an.

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Wien, Frankfurt – Die Teuerung in Österreich ist im Februar weiter zurückgegangen. Nach 1,8 Prozent im Jänner (revidiert) lag die Inflationsrate im Februar bei 1,5 Prozent, das war der niedrigste Wert seit Dezember 2016. Bedeutendste Preistreiber waren Verteuerungen für Wohnung, Wasser und Energie sowie für Besuche in Restaurants und Hotels. Preisdämpfend wirkten Verbilligungen bei Flugtickets und Bekleidung.

Das geht aus Berechnungen der Statistik Austria vom Freitag hervor. Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke verteuerten sich im Schnitt um 1,1 Prozent und damit unterhalb der allgemeinen Inflationsrate. Die Preise von Gemüse stiegen allerdings um 5,4 Prozent, Fleisch war um 1,8 Prozent teurer und für Brot und Getreideerzeugnisse war um 1,3 Prozent mehr zu bezahlen. Milch, Käse und Eier kosteten um 0,3 Prozent mehr, die Obstpreise fielen hingegen um 5,1 Prozent. Alkoholfreie Getränke verbilligten sich im Jahresabstand um 0,5 Prozent.

Preistreiber Mieten

Der tägliche Einkauf (Mikrowarenkorb) verteuerte sich nur leicht um 0,6 Prozent, der wöchentliche Einkauf (Miniwarenkorb) stieg um 1,7 Prozent.

Unter den stärksten Preistreibern waren im Februar Wohnungsmieten (plus 3,3 Prozent), Dieseltreibstoff (plus 4,2 Prozent) und Zigaretten (plus 2,6 Prozent). Getrieben wurde die Inflation auch von höheren Preisen beim Wirten, in Restaurants und Hotels (plus 2,7 Prozent). Die Ausgaben für Freizeit und Kultur stiegen im Schnitt um 1,4 Prozent.

Die Ausgaben für Wohnung, Wasser und Energie verteuerten sich im Schnitt um 2,8 Prozent. Die Preisentwicklung von Haushaltsenergie (plus 4,2 Prozent) wurde fast zur Hälfte durch höhere Strompreise beeinflusst (plus 3,9 Prozent). Die Preise stiegen für feste Brennstoffe um 7,0 Prozent, für Heizöl um 8,4 Prozent, für Fernwärme um 2,2 Prozent und für Gas um 1,1 Prozent. Für die Instandhaltung von Wohnungen zahlte man um 2,7 Prozent mehr.

Inflationsdämpfend wirkten merkliche Preisrückgänge bei Flugtickets (minus 18,9 Prozent), Notebooks und Tablets (minus 9,6 Prozent) und Superbenzin (minus 2,3 Prozent).

Hauptpreisdämpfer im Monatsabstand (Februar gegenüber Jänner) waren die Ausgaben für Bekleidung und Schuhe, deren Preise sich aufgrund fortgesetzter Winterschlussverkäufe um 3,1 Prozent reduzierten.

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Inflation in der Eurozone steigt leicht an

Wie das Statistikamt Eurostat am Freitag in Luxemburg mitteilte, lagen die Verbraucherpreise 1,5 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Im Januar hatte die Inflationsrate 1,4 Prozent betragen. Im Monatsvergleich stiegen die Verbraucherpreise im Februar um 0,3 Prozent. Die Statistiker bestätigten damit vorläufige Angaben.

Nach wie vor am deutlichsten verteuerte sich mit 3,6 Prozent Energie. Allerdings sind die Preisanstiege in den vergangenen Monaten Zug um Zug schwächer ausgefallen. Kaum teurer als vor einem Jahr waren Industriegüter, wohingegen sich Dienstleistungen nur knapp unterdurchschnittlich stark verteuerten. Lebens- und Genussmittel waren mit 2,3 Prozent überdurchschnittlich teurer.

Das Inflationsgefälle in der Eurozone ist immer noch relativ steil. Es reicht von Inflationsraten von 0,7 Prozent in Irland bis hin zu einer Teuerung von 2,8 Prozent in Lettland. Deutschland liegt mit einer nach europäischen Standards berechneten Inflationsrate von 1,7 Prozent im Mittelfeld.

Überprüfung der geldpolitischen Strategie der EZB

Die Kerninflation fiel leicht von 1,1 auf 1 Prozent. Diese Abgrenzung berücksichtigt stärker schwankende Komponenten wie Energie und Lebensmittel nicht.

Die Europäische Zentralbank (EZB) beobachtet sie deshalb genau. Sie strebt eine Gesamtinflation von knapp zwei Prozent an. Von diesem Ziel hat sich die Teuerung in den vergangenen Monaten wieder etwas entfernt.

Der als möglicher Nachfolger von EZB-Chef Mario Draghi gehandelte finnische Notenbankchef will die geldpolitische Strategie der Euro-Hüter reformieren. Er habe dem Rat der Europäischen Zentralbank einen entsprechenden Vorschlag gemacht, erklärte Olli Rehn am Freitag.

Er verwies darauf, dass die Erwartungen der Verbraucher an die künftige Inflation bereits lange unter dem Niveau lägen, das die EZB als Ziel für Preisstabilität anstrebe. Diese Annahmen dürften sich „als selbst erfüllend“ herausstellen, warnte der frühere EU-Wirtschaftskommissar. Unter Berücksichtigung neuer Forschungsergebnisse solle es daher eine Überprüfung der geldpolitischen Strategie geben.

Glaubwürdig und effizient

Es gehe darum, dass die Geldpolitik der EZB „glaubwürdig und effizient“ bleibe. Rehns Vorstoß lässt aufhorchen, da er neben dem französischen Notenbankchef Francois Villeroy de Galhau und Deutsche-Bundesbank-Chef Jens Weidmann als ein potenzieller Bewerber für den Posten des künftigen EZB-Chefs gilt. Amtsinhaber Draghi gibt den Spitzenposten im Herbst ab. Der scheidende EZB-Chefvolkswirt Peter Praet hat bereits signalisiert, dass auch er einer Überarbeitung des geldpolitischen Rahmenwerks offen gegenüberstehe. Allerdings sei dies derzeit noch nicht angebracht und eher eine Aufgabe für die Zukunft.

Im aktuellen Bericht der finnischen Notenbank heißt es nun, die EZB stecke bereits in einem Dilemma. Sie müsse einerseits „starke kurzfristig wirksame Maßnahmen“ ergreifen, um ihr Preisstabilitätsziel einer Inflationsrate von knapp zwei Prozent zu erreichen. Da jedoch die Kerninflation, bei der Energie- und Nahrungsmittelpreise herausgerechnet werden, bei nur einem Prozent herumdümpele, könne das Ziel „nicht nachhaltig“ erreicht werden. Die EZB müsse sich daher für „langfristige Herausforderungen“ rüsten - mit einer Überprüfung der geldpolitischen Strategie. Dabei müssten die „Prinzipien, grundlegenden Annahmen und Instrumente“ auf den Prüfstand. „Diese Idee wird bereits seit einiger Zeit diskutiert. Und im November hat auch die US-Notenbank angekündigt, etwas in dieser Richtung zu tun. Zweifellos wird die EZB das auch, wenn die Zeit reif ist.“

Die Europäische Zentralbank (EZB) hält ihren Leitzins bereits seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Der Einlagensatz liegt seitdem bei minus 0,4 Prozent. Banken müssen somit Strafzinsen zahlen, wenn sie überschüssige Gelder bei der EZB parken. Wegen der Konjunkturabkühlung hatte die Notenbank am Donnerstag neue Langfristkredite für Geldhäuser beschlossen, um auf diesem Wege die Kreditvergabe an die Wirtschaft anzuheizen. Ihre Schlüsselzinsen will sie noch bis mindestens zum Jahresende nicht erhöhen.(APA, Reuters, TT.com)