Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 20.03.2019


Österreich

Tabuzonen für Wasserkraftwerke gefordert

WWF und Umweltdachverband warnen vor ungeregeltem Ausbau der Wasserkraft und fordern strenge Kriterien für ihre Förderung.

Statt neue Wasserkraftwerke zu bauen, fordern WWF und Umweltdachverband die Sanierung und effiziente Nutzung bestehender Anlagen.

© EVNStatt neue Wasserkraftwerke zu bauen, fordern WWF und Umweltdachverband die Sanierung und effiziente Nutzung bestehender Anlagen.



Von Cornelia Ritzer

Wien – Im Vorjahr legte die ÖVP-FPÖ-Regierung die Eckpunkte zum „Erneuerbaren Ausbau Gesetz 2020“ (EAG) vor. Mit dem Vorhaben, das derzeit konkretisiert wird, soll die Ökostromförderung von Grund auf umgestaltet werden. Ziel sei es, den Gesamtanteil der Eneuerbaren bis zum Jahr 2030 auf 45 bis 50 Prozent des gesamten Endenergieverbrauchs zu erhöhen und 100 Prozent des Stromverbrauchs mit Strom aus Erneuerbaren zu decken.

„In den nächsten Wochen“ erwarten WWF Österreich und der Umweltdachverband das Papier aus dem Umweltministerium von Elisabeth Köstinger (ÖVP). Für die Umweltschutzorganisationen ist dabei die Wasserkraft „besonders problematisch“, sagten Gerhard Egger (Natur- und Umweltschutzabteilung des WWF Österreich) und Franz Maier (Präsident Umweltdachverband). Egger: „Wir können nicht zuschauen, wie die letzten Flüsse verbaut werden.“ Schon jetzt habe Österreich mit rund 6800 Wasserkraftwerken einen „extrem hohen Ausbaugrad“ erreicht und sei „ziemlich zugepflastert“, sagte Maier. Und es könnten noch mehr werden.

Laut Informationen von WWF und Umweltdachverband seien „viele hunderte weitere Wasserkraftwerke geplant“. Diese Zahl ergebe sich aus veröffentlichten Forderungen der Energiewirtschaft. Demnach soll die Wasserkraft um 6 bis 8 TWh ausgebaut werden, errechnete der E-Wirtschaftsverband Oesterreichs. „Aktuell sind 56 Prozent der bekannten Kraftwerksvorhaben in höchst sensiblen Fließgewässerabschnitten geplant“, warnt WWF-Natur- und Umweltschutzexperte Egger.

WWF und Umweltdachverband hoffen vor allem auf das Aus von hohen Förderungen für wenig wirksame Kleinanlagen im neuen Erneuerbaren-Gesetz. Derzeit gebe es 2500 Kleinstanlagen, die weniger als 1 Megawatt Leistung erzeugen und damit insgesamt nur vier Prozent des Stroms liefern. Außerdem sollen Kriterien festgelegt werden, nach denen neue Anlagen in sensiblen Flusslandschaften nicht gefördert werden. Planungssicherheit – auch für Investoren – könne eine landesweite Energie-Raumplanung mit Tabuzonen für Projekte bringen.

Um die Energiewende zu schaffen, brauche es laut Organisationen jedoch mehr als den Ausbau der Erneuerbaren. Effizienzsteigerung und Verbrauchsreduktion seien ein Gebot der Stunde.