Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 23.04.2019


Wirtschaftspolitik

BTV-Chef Burtscher: „Angriff auf die 3-Banken-Gruppe“

In der 3-Banken-Gruppe eskaliert der Aktionärsstreit mit der UniCredit: BTV, BKS und Oberbank wittern einen Übernahmeversuch.

Großaktionär UniCredit lässt in der Innsbrucker BTV-Zentrale die Alarmglocken schrillen: Ein Übernahmeversuch wird befürchtet.

© BVTGroßaktionär UniCredit lässt in der Innsbrucker BTV-Zentrale die Alarmglocken schrillen: Ein Übernahmeversuch wird befürchtet.



Innsbruck – Versucht die UniCredit Bank Austria die Kontrolle bei der 3-Banken-Gruppe zu übernehmen? Diese Befürchtung hegen die Mitgliedsinstitute der 3-Banken-Gruppe – die Bank für Tirol und Vorarlberg (BTV), die BKS Bank und die Oberbank. Die Bank Austria ist an allen drei Banken beteiligt.

Auslöser dafür war ein Antrag der UniCredit Bank Aus­tria auf Sonderprüfung von Kapitalerhöhungen seit 1994 bei der Kärntner Regionalbank BKS. Die Bank Austria wirft der BKS Verstöße gegen die Corporate Governance und gegen das Aktienrecht vor.

Der Antrag hat mit den Beteiligungen der 3-Banken untereinander zu tun. Die UniCredit stellt die Zulässigkeit der wechselseitigen Kapitalerhöhungen von BTV, BKS und Oberbank in Frage. Laut Bank Austria sei ja die BKS mittelbar über die BTV, die Oberbank und die „BKS 2000 Beteiligungsverwaltung“ sowie über die Generali 3-Banken Holding „an sich selbst beteiligt“. Damit bestehe die begründete Vermutung, dass ein Teil der Kapitalerhöhung der BKS aus dem Vermögen der Gesellschaft selbst kam. Außerdem vermutet die Bank Austria, dass die BKS der Generali 3-Banken Holding Geld gegeben hat, damit die Generali 3-Banken Holding überhaupt die Kapitalerhöhung bei der BKS stemmen kann.

„Die UniCredit stellt mit diesem Akt bewusst die Unabhängigkeit der 3-Banken-Gruppe in Frage", so Gerhard Burtscher
 (BTV-Vorstandschef).
„Die UniCredit stellt mit diesem Akt bewusst die Unabhängigkeit der 3-Banken-Gruppe in Frage", so Gerhard Burtscher
 (BTV-Vorstandschef).
- BTV

Die Bank für Tirol und Vorarlberg vermutet nun, dass die Bank Austria auch bei der BTV-Hauptversammlung am 16. Mai eine Sonderprüfung beantragen wird. Ein solcher Antrag sei zwar ein grundlegendes Recht einer Aktionärsminderheit, erklärte gestern BTV-Vorstandschef Gerhard Burtscher. In der 3-Banken-Gruppe habe es aber bisher noch nie einen solchen Antrag gegeben. „Wir gehen davon aus, dass die UniCredit mit diesem Akt bewusst die Unabhängigkeit der 3-Banken-Gruppe in Frage stellt“, so Burtscher. Die Bank Austria versuche, die wechselseitigen Beteiligungen und Stimmrechte der 3-Banken-Gruppe auszuhebeln. „Um offenbar eine Stimmenmehrheit in der 3Banken-Gruppe zu erlangen“, meint Burtscher: „Diese Vorgehensweise ist als Angriff auf die Eigenständigkeit der 3Banken-Gruppe zu werten.“ Ob die Sonderprüfung eine Mehrheit findet, ist aber fraglich.

Die Bank Austria wies die Befürchtungen zurück. Man kontrolliere keine der 3-Banken und beabsichtige auch nicht, die Kontrolle an der BKS oder an den anderen Regionalbanken zu erlangen, betonte ein Bank-Austria-Sprecher.

BTV-Chef Burtscher traut dem Braten nicht: „Die gewählte Vorgangsweise lässt anderes vermuten.“ Die Argumente der UniCredit seien rechtlich ohnehin nicht haltbar: „Die Unbedenklichkeit der wechselseitigen Beteiligungen innerhalb der 3-Banken-Gruppe wurde über die Jahrzehnte regelmäßig und umfassend durch die angesehensten Rechtsexperten geprüft und zuletzt im Rahmen der Umsetzung des Bankenregulierungspakets Basel III neuerlich bestätigt.“

Vor knapp zehn Jahren hatte sich die UniCredit Bank Austria von ihren Anteilen an den 3-Banken trennen wollen, der Beteiligungsverkauf wurde damals aber abgeblasen. An der BTV hält die Bank Austria mehr als 45 %. Insgesamt hat die BTV 850 Beschäftigte und erwirtschaftete im Vorjahr einen Überschuss vor Steuern von 139,8 Mio. Euro. Die Bilanzsumme betrug 11,6 Mrd. Euro . (mas, APA)