Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 05.05.2019


Tirol

Von der Stadt ins Skigebiet fliegen: Regeln gegen Luxusflüge geplant

Luxuriös mit dem Heli von Innsbruck zum Skifahren fliegen: Diese Praxis ist nicht nur ein Gag, sie nimmt zu. Strengere Regeln stehen an.

Eine Lücke im Gesetz macht es möglich, dass touristische Flüge von Flugplatz zu Flugplatz erlaubt sind. Heliports gelten als Flugplätze. Somit sind Flüge für Betuchte ins Skigebiet möglich.

© TTEine Lücke im Gesetz macht es möglich, dass touristische Flüge von Flugplatz zu Flugplatz erlaubt sind. Heliports gelten als Flugplätze. Somit sind Flüge für Betuchte ins Skigebiet möglich.



Von Alexandra Plank

Innsbruck – Nicht alles, was rechtlich gedeckt ist, muss erwünscht sein. Wie die Tiroler Tageszeitung berichtete, können sich zahlungskräftige Gäste etwa mit dem Hubschrauber vom Innsbrucker Flughafen zum Heliport Hochgurgl fliegen lassen. Auf Nachfrage erklärte der zuständige Flugunternehmer Roy Knaus von Heli Tirol, dies sei nur ein Marketing-Gag. Die Touristenflüge würden wirtschaftlich nicht ins Gewicht fallen. Markus Sint, Liste Fritz, hat daraufhin recherchiert und legte in einem Dringlichkeitsantrag dar, dass es sich bei den Luxusflügen nach Hochgurgl nicht um Einzelfälle handle. „Es gibt in Tirol mittlerweile zahlreiche Anbieter derartiger Bespaßungsflüge. Das ist längst mehr als ein Tourismusgag“, führt der Landtagsabgeordnete aus. „Während einige Anbieter wie Wucher oder Heli Tirol auch Krankentransporte fliegen, gibt es Firmen wie Kitz-Air, die überwiegend auf Personenbeförderung als Geschäftszweig setzen.“ Der Antrag wurde ausgesetzt und soll im Juli-Landtag behandelt werden. Sint fordert die Politik indes auf, Nägel mit Köpfen zu machen und die Gesetzeslücke zu schließen:

Obwohl das Naturschutzgesetz 1990 verschärft wurde, sind die Flüge von Flugplatz zu Flugplatz für touristische Zwecke nach wie vor legal. Walter Tschon, Stellvertreter des Tiroler Landesumweltanwaltes, hatte gegenüber der TT ein klares Verbot derartiger Flüge gefordert. Die Regelung stehe auch in klarem Widerspruch zur Alpenkonvention.

Landeshauptmannstellvertreterin Ingrid Felipe, die für die Umweltagenden zuständig ist, findet klare Worte: „Aktuell ist die Zahl von touristischen Hubschrauberflügen noch im überschaubaren Bereich, aber auch ich beobachte mit Argusaugen eine unerwünschte Entwicklung in Richtung Lufttaxitransporte.“ Die Flüge seien weder im Sinne des Naturschutzes beziehungsweise des Lärmschutzes noch aus touristischer Perspektive wünschenswert.

Felipe ist der Auffassung, dass die zunehmende Beanspruchung des Luftraumes, auch etwa durch Drohnen, neue und auch strengere Spielregeln erfordert. Dafür sei eine Gesetzesänderung nötig: „Derzeit ist ein Verbot von touristischen Flügen zwischen Flugplätzen nach Ansicht der Experten rechtlich nicht möglich“, erklärt Felipe. Zwischen einem Heliport und einem Flugplatz bestehe nämlich derzeit kein Unterschied. Beides seien Flugplätze nach der Zivilflugplatzverordnung. Felipe hat ihre Beamten bereits beauftragt, Möglichkeiten zu erarbeiten, wie man diese Sache künftig handhaben könnte. Doch braucht der Tiroler Tourismus solche Luxusflüge, wo man sich schon lange gegen Heliskiing entschieden hat?

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Florian Phleps, Geschäftsführer der Tirol Werbung, beantwortet diese Fage mit einem klaren „Nein“. Im O-Ton sagt er: „Die genannten Transferflüge sind für die Tirol Werbung nicht relevant und werden in unserer touristischen Kommunikation daher auch nicht beworben.“ Phleps macht klar, wo für die Tirol Werbung die Prioritäten beim Personentransport liegen: Die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel soll angestoßen werden. „Im Rahmen der Initiative ,Tirol auf Schiene‘ forcieren wir mit den Bahnpartnern in Österreich (ÖBB), Deutschland (DB) und der Schweiz (SBB) sowie mit dem Verkehrsverbund Tirol die Anreise der Gäste mit der Bahn.“ Hubschrauber würden dank ihres Einsatzes in Notsituationen über Rettungsflüge einen wichtigen Beitrag für die Sicherheit leisten. „Das gilt für Einheimische und für die Gäste“, rückt Phleps die Prioritäten zurecht.

„Die Transferflüge sind für die Tirol Werbung nicht relevant und werden von uns daher auch nicht beworben.“
Florian Phleps (Chef der Tirol Werbung)
„Die Transferflüge sind für die Tirol Werbung nicht relevant und werden von uns daher auch nicht beworben.“ Florian Phleps (Chef der Tirol Werbung)
- TT/Rudy De Moor