Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 13.05.2019


Wirtschaftspolitik

Ökonom für Steuer je nach Gewinnhöhe

Was für Privatpersonen gilt, soll auch für Firmen gelten, fordert Attac und präsentiert ein Modell: Höhere Steuern bei höheren Gewinnen.

Laut Attac würden bei ihrem Modell nur 10 % der Firmen mehr zahlen als bisher, dem Staat aber 2,4 Mrd. Euro mehr Steuern bringen.

© iStockphotoLaut Attac würden bei ihrem Modell nur 10 % der Firmen mehr zahlen als bisher, dem Staat aber 2,4 Mrd. Euro mehr Steuern bringen.



Wien – Das Einkommen von Privatpersonen wird in Österreich progressiv besteuert. Das heißt: Je mehr man verdient, desto mehr Steuern zahlt man – insgesamt gibt es sieben Tarifstufen. Auch Personengesellschaften oder Einzelunternehmen zahlen Einkommensteuern. Im Zuge der geplanten Steuerreform fordert die Nichtregierungsorganisation Attac, auch die Gewinne von Unternehmen nach diesem Prinzip zu besteuern. Soll heißen: Je höher die Gewinne, desto höher die Körperschaftsteuer (KöSt). Derzeit gilt in Österreich eine generelle Körperschaftsteuer von 25 Prozent, die Regierung will sie etappenweise auf 21 Prozent senken.

„Das bei der Lohnsteuer gültige Prinzip der Leistungsfähigkeit sollte auch für Unternehmen gelten“, fordert Attac-Ökonom Kai Lingnau, der ein entsprechendes Modell ausgearbeitet hat. Konkret sieht das Attac-Modell für Unternehmensgewinne drei Steuerstufen vor: 22 Prozent Körperschaftsteuer für alle Gewinne bis zu 40.000 Euro, 25 Prozent für alle Gewinne bis 500.000 Euro und 34 Prozent für alle Gewinne darüber. Laut Attac würden über 90 Prozent aller österreichischen Firmen bei diesem Modell gleich viel oder weniger Steuern zahlen als bisher. Im Umkehrschluss würde die Idee bedeuten, dass Großkonzerne mit hohen Gewinnen mehr Steuern zahlen müssten als bisher. Die Einnahmen der KöSt würden sich laut Lingnau um rund 2,4 Mrd. Euro erhöhen. Eine generelle KöSt-Senkung, wie sie die Regierung plant, würde hingegen dazu führen, dass allein die gewinnstärksten fünf Prozent der Unternehmen rund 1,25 Mrd. Euro weniger zum Gemeinwohl beitragen.

Attac kritisiert, dass große internationale Firmen mehr Möglichkeiten hätten, Gewinne zu verschieben, und dadurch weniger Steuern zahlen als der Kaufmann ums Eck. „Eine progressive KöSt würde dieser Wettbewerbsverzerrung zwischen großen und kleinen Unternehmen entgegenwirken“, so Lingnau. In Europa würden unter anderem Belgien, Frankreich, Kroatien, Litauen, die Niederlande und Portugal bereits gewinnstarke Unternehmen stärker besteuern als Betriebe mit geringen Gewinnen.

Attac erhebt die Forderung im Rahmen eines Positionspapiers, das heute veröffentlicht wird. (mas)




Kommentieren


Schlagworte