Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 19.06.2019


Tirol

Immobilien in Tirol teurer, Kritik an Wohnplan

Die Immobilienpreise in Tirol zogen erneut an. Das geplante Wohnpaket des Landes verschärfe die Situation, meint die Immobilienbranche.

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Von Max Strozzi

Innsbruck – In ganz Tirol und in allen ­Immobilienkategorien sind auch im vergangenen Jahr die Preise gestiegen. Das zeigt der Immobilienpreisspiegel der Wirtschaftskammer Tirol, den die Immobilien-Obleute Philipp Reisinger und Arno Wimmer gestern präsentierten. Die Spannweite ist dabei groß. In Innsbruck und Innsbruck-Land beispielsweise zogen die Preise im Vergleich zu 2017 besonders kräftig an: Baugrund wurde um 7 bis 11 Prozent teurer, neue Eigentumswohnungen je nach Wohnlage und Ausstattung um 5 bis 10 Prozent. Im ­Oberland sowie in Osttirol stiegen laut Wimmer die Preise für Baugrund, Neuwohnungen und Häuser in etwa in Höhe der Inflation mit einigen Ausreißern nach oben. Im Außerfern blieben viele Preise konstant bzw. gingen etwas zurück (einzig Baugrund in mäßiger bis normaler Wohnlage stieg um 11 Prozent), ähnlich im Bezirk Schwaz. Teurer wurden Immobilien auch im Bezirk Kitzbühel – hier liegt die Spannweite zwischen 2 und 10 Prozent, ähnlich sieht es im Bezirk Kufstein aus. Was für fast ganz Tirol gilt (außer Außerfern): Preislich legten gebrauchte Eigentumswohnungen spürbar zu – oft um 4 bis 9 Prozent.

Angespannt bleibt die Lage vor allem in Innsbruck und Innsbruck-Land. „2018 wurden hier um 20 Prozent weniger Wohnungen verkauft als 2017, die Nachfrage bleibt aber hoch. Das treibt die Preise“, sagt Wimmer. Zum Vergleich: Tirolweit sanken die Wohnungsverkäufe um 8 Prozent.

Hart ins Gericht gehen die Vertreter der Immobilienbranche erneut mit dem geplanten Wohnpaket des Landes. Die Immobranche sieht den Weg zu leistbarem Wohnen darin, mehr Bauland zu mobilisieren und mehr Angebot zu schaffen. „Mit dem Wohnpaket wird es aber zu keiner Mobilisierung kommen“, meint Wimmer: „Preisdiktate, Interessentenmodell und Vorbehaltsflächen werden das Angebot verkleinern, nicht vergrößern.“ Wer künftig bebaute wie ­unbebaute Grundstücke kaufen will, muss einen Wohnbedarf nachweisen. Andernfalls greift ein Interessentenmodell, das Wohnungssuchenden, Gemeinden und gemeinnützigen Wohnbauträgern ein Vorkaufsrecht einräumt. „Wer prüft aber beispielsweise den Wohnbedarf?“, kritisiert Wimmer. Außerdem könne dann „kein Tiroler mehr sein Geld in eine Wohnung anlegen und sie vermieten“. Das führe zu einer Verknappung an Mietwohnungen, glaubt Wimmer. Weiters seien auch keine Überlegungen für einen Mietdeckel notwendig. „Die Mieten regulieren sich gerade von selbst“, so Wimmer.

Schwächen ortet Reisinger auch in vielen Gemeinden. Oft fehlten Bebauungspläne, die im Vorhinein klarstellen, in welcher Größe und Dichte gebaut werden darf. Und in Innsbruck wundere er sich, warum es noch keine genaue Studie darüber gebe, welche Flächen nachverdichtet werden könnten.




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