Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 24.06.2019


Wirtschaftspolitik

Verhärtete Fronten im Vorfeld des G20-Gipfels

Im Handelskrieg scheinen China und die USA ihre Haltung nicht zu lockern. Eine Ausweitung der Zölle steht im Raum.

Trump und Jinping treffen sich am Rand des G20-Gipfels.

© AFPTrump und Jinping treffen sich am Rand des G20-Gipfels.



Wien – Die Staats- und Regierungschefs der Top-Wirtschaftsmächte kommen demnächst (28. und 29. Juni) zu ihrem Gipfel in Japan zusammen. US-Präsident Donald Trump plant ein Treffen mit Chinas Staatspräsident Xi Jinping am Rande des G20-Gipfels, um über den Handelskrieg zu reden. Die US-Regierung hat die Hälfte aller chinesischen Importe mit Sonderzöllen belegt. Trump droht, diese Strafmaßnahmen auf alle Einfuhren aus China auszuweiten. Die Regierung in Peking hat mit Gegenzöllen reagiert.

„Der kommende G20-Gipfel wird entscheidend sein für den Handelskrieg zwischen den USA und China. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden die Gespräche jedoch scheitern“, blickt Sébastien Galy, Senior-Makrostratege beim Finanzdienstleister Nordea Asset Management (NAM), skeptisch auf den möglichen Gesprächsausgang. So werde Chinas Bevölkerung bereits vor einem neuen „langen Marsch“ gewarnt, ein Codewort für große Mühsal. Im Parteiorgan heißt es: „Sagt nicht, wir hätten euch nicht gewarnt“, ein Ausspruch, der erstmals vor Chinas Angriff auf Indien verwendet wurde, erklärt Galy. Eine Ausweitung der US-Zölle auf alle chinesischen Exporte würde wahrscheinlich zu einer Abwertung der chinesischen Währung Renminbi führen, was eine Kettenreaktion auslösen würde. Die USA würden wahrscheinlich die Zölle erhöhen und einige Fabriken würden aus China abwandern, so die NAM-Analyse.

Im Vorfeld des G20-Gipfels scheint keine der Seiten ihre Haltung zu lockern, und doch steht die Gefahr einer Ausweitung der Zölle auf Chinas Gesamtexporte in die Vereinigten Staaten im Raum. Ein Friedensangebot sei möglich, z. B. das Versprechen, Sojabohnen zu kaufen. Die Auswirkungen auf das chinesische Wachstum wären beträchtlich, wenn man laut NAM davon ausgeht, dass das tatsächliche Wachstum bei etwa 4,5 Prozent liegt. Die geschätzten Auswirkungen der Zölle reichen von weniger als einem Prozent bis zwei Prozent über einen Zeitraum von zwei Jahren. (TT)

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