Letztes Update am Di, 02.07.2019 11:19

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Freihandel

Frankreich „derzeit nicht bereit“ Mercosur-Abkommen zu ratifizieren

Die Regierung in Paris verlangt „Garantien“ für den Amazonas und für die eigenen Bauern. Auch in anderen EU-Ländern regt sich der Widerstand gegen das Mercosur-Abkommen.

Die Südamerikaner setzten eine stärkere Öffnung des europäischen Marktes für ihre landwirtschaftlichen Produkte durch, insbesondere Rindfleisch.

© iStockDie Südamerikaner setzten eine stärkere Öffnung des europäischen Marktes für ihre landwirtschaftlichen Produkte durch, insbesondere Rindfleisch.



Paris – Angesichts harscher Kritik von Landwirten und Umweltschützern am Handelsabkommen zwischen der EU und dem südamerikanischen Wirtschaftsblock Mercosur hat Frankreich zusätzliche „Garantien“ verlangt - etwa für den Schutz des Amazonas-Regenwaldes und für die französischen Rinderzüchter.

„Frankreich ist derzeit nicht bereit, das Abkommen zu ratifizieren“, sagte Regierungssprecherin Sibeth Ndiaye am Dienstag im französischen Rundfunk. Paris werde sich das Abkommen „im Detail“ anschauen und „abhängig von diesen Details entscheiden“.

Abkommen „auseinandernehmen“

Umweltminister François de Rugy ergänzte im Sender Europe 1, Brasilien müsse seinen Verpflichtungen im Kampf gegen die Abholzung im Amazonas-Gebiet nachkommen, ansonsten werde das Abkommen nicht ratifiziert. Die künftige EU-Kommission und vor allem die neue Mehrheit im EU-Parlament müssten das Abkommen „auseinandernehmen“, bevor sie es ratifizierten, forderte de Rugy.

Regierungssprecherin Ndiaye sagte, Paris habe „Härtefallregeln“ für Zuckerrübenbauern und Rinderzüchter gefordert. Sie müssten einen Importstopp aus Südamerika möglich machen, wenn sich in diesen Branchen negative Folgen zeigen sollten.

Die EU und die Mercosur-Staaten hatten sich am Freitag nach 20 Jahren Verhandlungen auf ein umfassendes Abkommen zur Bildung der größten Freihandelszone der Welt verständigt. Zu dem Wirtschaftsblock gehören Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay.

„Tiefe Besorgnis“ in mehreren EU-Ländern

Die Südamerikaner setzten eine stärkere Öffnung des europäischen Marktes für ihre landwirtschaftlichen Produkte durch, insbesondere Rindfleisch. In mehreren EU-Staaten kritisierten Bauernverbände das Abkommen scharf. Auch Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron sowie seine Kollegen aus Irland, Polen und Belgien hatten bei der EU-Kommission vor Abschluss des Abkommens ihre „tiefe Besorgnis“ geäußert, dass das Abkommen schwerwiegende Auswirkungen auf die Landwirtschaft ihrer Länder haben könne.

EU-Landwirtschaftskommissar Phil Hogan stellte bereits zum Ausgleich finanzielle Hilfen für europäische Landwirte in Aussicht. Sollte es zu Wettbewerbsverzerrungen kommen, könnten bis zu eine Milliarde Euro zur Verfügung gestellt werden, sagte er. Die europäische Landwirtschaft ist bereits jetzt in hohem Maße von EU-Subventionen abhängig.

Die von der EU-Kommission ausgehandelte Einigung mit den Mercosur-Staaten muss noch von den 28 Mitgliedstaaten und danach vom Europaparlament gebilligt werden. (APA, AFP)