Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 07.08.2019


Wirtschaftspolitik

Unternehmen fordern Anschub für Solarstrom

256 heimische Firmen unterstützen die Photovoltaik-Initiative von WWF und Global 2000 und wollen in den Ausbau investieren.

Photovoltaik gilt als günstigste und naturverträgliche Energiequelle, da sie auf bereits existierenden Gebäuden installiert werden kann.

© dpaPhotovoltaik gilt als günstigste und naturverträgliche Energiequelle, da sie auf bereits existierenden Gebäuden installiert werden kann.



Von Cornelia Ritzer

Wien – Das „Erneuerbaren Ausbau Gesetz“ (EAG) hätte für die grüne Energieerzeugung ein Turbo sein sollen. Die ÖVP-FPÖ-Regierung verschob die Präsentation und seit der Regierungsänderung befindet sich das Gesetz, mit dem bis 2030 der in Österreich erzeugte Strom aus erneuerbaren Quellen kommen soll, in der Warteschleife. Nun fordern die Umweltschutzorganisationen Global 2000 und WWF Österreich gemeinsam mit 256 Unternehmen den konsequenten und raschen Ausbau der Photovoltaik. Noch vor der Nationalratswahl am 29. September sei ein sofortiger Anlauf zum Ausbau von Sonnenstrom möglich.

Die Forderungen sind bereits bekannt: So soll die Eigenverbrauchssteuer für Sonnenstrom wegfallen, ebenso die derzeitige Deckelung der Photovoltaik-Förderung von 8 Millionen Euro. Gestrichen werden soll auch die finanzielle Förderung von fossiler Energie. Und die nächste Regierung soll es dann auch Bürgern ohne eigene Wohnung oder eigenes Haus ermöglichen, Strom aus einer Gemeinschaftsanlage innerhalb der Gemeinde direkt zu beziehen.

Der Fokus auf die Photovoltaik erklärt sich durch das enorme Potenzial, das noch nicht gehoben wurde. Bei der Sonnenenergie sei die Differenz zwischen der derzeitigen Nutzung und den Möglichkeiten am größten und damit am chancenreichsten: Derzeit seien erst zwei Prozent des Solarstrom-Potenzials erschlossen.

Die ÖBB baut derzeit ihre Solarstromerzeugung auf den insgesamt 5000 ÖBB-Gebäuden aus. Auch der Handelskonzern Rewe hat an 62 Standorten Photovoltaik-Anlagen errichtet. Und es sollen mehr werden, sagt Tanja Dietrich-Hübner, Leiterin der Stabstelle Nachhaltigkeit. Eine Hürde für das Unternehmen seien derzeit die unterschiedlichen Bestimmungen in den Bundesländern sowie die verschiedenen Förderregimes. Dietrich-Hübner fordert eine Vereinheitlichung – und: „Zielgerichtete Förderungen würden den weiteren Ausbau beschleunigen.“ Von bürokratischen Hürden für Investoren berichtet Cornelia Daniel, Geschäftsführerin der Solarberatungsfirma Dachgold. „Es braucht einen Anschub, um Investments auszulösen“, fordert sie Bemühungen der Politik. Daniel schlägt etwa die Möglichkeit einer beschleunigten Abschreibung der Anlagen vor.