Letztes Update am Fr, 09.08.2019 14:12

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Brexit-Drama

Brexit bremst Briten: Wirtschaft schrumpfte erstmals seit 2012

Langsam aber sicher schlägt sich der bevorstehende EU-Austritt der Briten auf die Wirtschaft nieder. Diese stehe „auf Messers Schneide“ heißt es von Experten.

Der neue britische Premier Boris Johnson.

© APA/AFP/POOL/DOMINIC LIPINSKIDer neue britische Premier Boris Johnson.



London – Die Angst vor einem chaotischen Brexit lähmt die britische Wirtschaft. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte von April bis Juni zum Vorquartal überraschend um 0,2 Prozent und sank damit erstmals seit Ende 2012, wie die Statistikbehörde ONS in London am Freitag mitteilte. Ökonomen hatten eine Stagnation erwartet, nach 0,5 Prozent Wachstum zu Jahresanfang.

Das Pfund gab daraufhin zeitweise um 0,4 Prozent nach auf 1,2085 Euro. „Es gibt kaum Zweifel, dass die Wirtschaft auf der Stelle tritt“, sagte PwC-Analyst Mike Jakeman. Wegen des Hickhacks um den EU-Austritt und die globale Konjunkturabkühlung stehe die britische Wirtschaft auch im laufenden dritten Quartal „auf des Messers Schneide“.

Der neue britische Premierminister Boris Johnson ist angetreten, die Mitgliedschaft des Vereinigten Königreichs in der Europäischen Union bis 31. Oktober notfalls auch ohne Scheidungsabkommen zu beenden. Eine Mehrheit für einen No-Deal-Brexit ist im Parlament aber fraglich. Johnson will den mit Brüssel ausgehandelten Vertrag noch einmal aufschnüren, was die Europäische Union aber ablehnt.

„Die politischen Unsicherheiten haben zuletzt zugenommen, da Premierminister Johnson die ‚harte Brexit-Rhetorik‘ verstärkt hat“, sagte Kallum Pickering von der Berenberg Bank. Er sieht nur eine 30-prozentige Wahrscheinlichkeit eines geordneten EU-Austritts Ende Oktober. Damit dürften die Unsicherheiten bis ins vierte Quartal weitergehen – in Form eines harten Brexits und sogar von Neuwahlen, fügte der Experte hinzu.

Während der private Konsum im zweiten Quartal um 0,5 Prozent stieg, gingen die Investitionen der britischen Firmen im gleichen Umfang zurück. Im Vergleich zum Vorjahresquartal wuchs die gesamte Wirtschaft um 1,2 Prozent und damit so langsam wie seit Anfang 2018 nicht mehr. Die britische Notenbank hatte jüngst erklärt, die Wirtschaft dürfte im laufenden Sommer-Quartal wohl um 0,3 Prozent zulegen und 2019 insgesamt um 1,3 Prozent wachsen. (APA, Reuters)