Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 30.08.2019


Wirtschaftspolitik

Abrechnung mit Italiens BBT-Vorstand

Im Konflikt auf der Vorstandsebene der Brennertunnelgesellschaft gehen jetzt die ÖBB in die Offensive. Es gibt massive Kritik an BBT-Vorstand Zurlo.

ÖBB weisen Kritik an Konrad Bergmeister scharf zurück.

© Thomas Boehm / TTÖBB weisen Kritik an Konrad Bergmeister scharf zurück.



Innsbruck – In einer Aufsichtsratssitzung der österreichisch-italienischen Brennerbasistunnelgesellschaft BBT SE am 14. September soll es zur Sache gehen. Seit einem Jahr blockiert der italienische Vorstand Raffaele Zurlo nahezu alle Beschlüsse, zuletzt hat er erhebliche Vorwürfe gegen seinen österreichischen Kollegen Konrad Bergmeister erhoben. Um Zurlo loszuwerden, drängt der Generaldirektor der italienischen Staatsbahnen Maurizio Gentile deshalb auf einen kompletten Neustart. Auch Bergmeister soll demnach weg, als interimistischer Nachfolger ist Martin Gradnitzer von der ÖBB-Infrastruktur im Gespräch. Doch offenbar will die ÖBB-Spitze noch einmal in die Tiefe gehen und den Verantwortlichen für die untragbare Situation klar benennen: Raffaele Zurlo.

Die ÖBB weisen die Vorwürfe und Anschuldigungen des italienischen Vorstandes gegen Bergmeister auf das Schärfste zurück, heißt es in einer Stellungnahme gegenüber der TT. „Die Vorwürfe von der Verletzung der Unternehmensrichtlinien über die Nichtbefassung von Gremien bis hin zu unverantwortlichen Kostensteigerungen sind absolut unhaltbar und falsch.“ Natürlich seien alle Prozesse gesetzeskonform und korrekt abgelaufen, das hätten Prüfungen immer wieder ergeben, heißt es. Der Aufsichtsrat wird sich in seiner nächsten Sitzung im September mit den erhobenen Vorwürfen intensiv beschäftigen.

Die ÖBB üben auch Kritik am italienischen Projektpartner: „Wir bedauern, dass hier der Weg der guten partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Österreich und Italien verlassen wurde. Das Projekt ist zu wichtig, um hier etwa persönliche Konflikte öffentlich auszufechten und eines der bedeutendsten europäischen Bauvorhaben in der Öffentlichkeit möglicherweise zu beschädigen.“ Der Brennerbasistunnel habe Vorrang und die europäische Öffentlichkeit ein Recht auf die eingeforderte Transparenz.

Der Brennerbasistunnel hat laut ÖBB enorme Bedeutung für die gesamte Wirtschaft Europas. „Und selbstverständlich betreiben die ÖBB mit ihren Partnern dieses gewaltige Vorhaben mit aller Professionalität, die möglich ist und erwartet werden kann.“ Man agiere im Sinne des Projektes, der Menschen, die daran arbeiten, der Anrainer und natürlich im Interesse der Steuerzahler. (pn)

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