Letztes Update am Fr, 30.08.2019 15:36

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wirtschaftskammer

WK-Präsident: „Wirtschaft braucht weniger Steuern und Bürokratie“

Als zentrale Wünsche der Wirtschaft formulierte Mahrer den Bürokratieabbau, eine Steuersenkung und Verbesserungen im Bildungssystem.

Präsident Harald Mahrer und Generalsekretär  Karlheinz Kopf  zu den Forderungen der heimischen Unternehmen an die nächste Regierung.

© WKÖPräsident Harald Mahrer und Generalsekretär Karlheinz Kopf zu den Forderungen der heimischen Unternehmen an die nächste Regierung.



Wien – Wirtschaftskammerpräsident Harald Mahrer hat am Freitag, zu Beginn des Intensivwahlkampfes für die Nationalratswahl 2019, die Forderungen der Wirtschaft präsentiert: Weniger Bürokratie, weniger Steuern und mehr Bildung seien die zentralen Wünsche der Firmen, so Mahrer mit Verweis auf eine Umfrage unter rund 1000 Unternehmern.

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Gefragt danach, welche Regierung er sich nach der Wahl wünscht, meinte Mahrer: „Ich habe keine Koalitionspräferenzen.“ Es wäre aber gut wenn der eingeschlagene Weg der vorigen Regierung weitergegangen werde. Zu der bevorstehenden Herbstlohnrunde meinte Mahrer, dass es aufgrund der nachlassenden Konjunktur und der empirischen Wirtschaftsdaten „logisch“ sei, dass die Abschlüsse unter dem Vorjahr liegen.

„Die deutsche Wirtschaft hat Grippe“

Als zentrale Wünsche der Wirtschaft formulierte Mahrer den Bürokratieabbau, eine Steuersenkung und Verbesserungen im Bildungssystem. Es sei in den vergangenen Jahren viel richtig gemacht worden, nun komme aber der konjunkturelle Abschwung in Deutschland belastend dazu. „Die deutsche Wirtschaft hat Grippe“, so Mahrer.

Die Diskussion um den Klimaschutz sei eine gute und biete Chancen für die Unternehmen, man müsse den Herausforderungen aber mit Anreizen begegnen „und nicht mit der Keule kommen“. Die von der SPÖ geforderte Erbschaftssteuer für große Vermögen lehnen Mahrer und sein Generalsekretär Karlheinz Kopf ab, betonten sie am Freitag. Diese würde Betriebe und Arbeitsplätze gefährden.

Wenige sehr zufrieden und wenige gar nicht zufrieden

Laut der Umfrage unter knapp 1000 Unternehmern sind sieben Prozent mit den derzeitigen Rahmenbedingungen der Wirtschaft sehr zufrieden – und genau so viele gar nicht zufrieden. Dass die neue Regierung den Kurs der ÖVP/FPÖ-Vorgängerregierung „auf jeden Fall“ beibehalten soll bejahten 26 Prozent, 13 Prozent meinten „sicher nicht“.

Als wichtigster Punkt wird laut Umfrage der Bürokratieabbau und die Senkung der Lohnnebenkosten sowie der Einkommenssteuer gesehen, relativ wenig Bedeutung wird etwas dem Ausbau der digitalen Infrastruktur und der Verfahrensbeschleunigung bei Großprojekten zugemessen.

Kritik von Grünen und ÖGB

Wenig erfreut zeigte sich der ÖGB über die Aussagen des WK-Präsidenten. ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian erinnerte, mit Verweis auf Aussagen von OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny und IHS-Chef Martin Kocher, an die Wichtigkeit des privaten Konsums.„Gute Lohn- und Gehaltsabschlüsse sichern das gute Leben der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die Kaufkraft und damit auch die heimische Wirtschaft – dafür werden sich die Gewerkschaften auch bei der bald startenden Herbstlohnrunde einsetzen“, betonte Katzian in einer Aussendung.

Die Grüne Wirtschaft wiederum kritisierte Mahrer heute dafür, dass er wichtige Anliegen der Wirtschaftstreibenden ausklammere - wie den Wunsch der Wirtschaft für einen Zugang von Asylwerbern zur Lehre in Mangelberufen.

Und auch die Arbeitszeit beschäftigte die Interessensvertreter heute, ein Monat vor der Nationalratswahl 2019.

Nachdem Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderl heute eine Arbeitszeitverkürzung forderte, reagierte die Wirtschaftskammer und betonte gegenüber der APA, dass „die Mehrheit der Arbeitnehmer mit ihrer Arbeitszeit zufrieden ist, und die Wünsche der Arbeitnehmer hier meistens berücksichtigt werden. Dazu kommt, dass sich an der faktischen Arbeitszeit fast nichts verändert hat“, so Rolf Gleißner, stellvertretender Leiter der Abteilung für Sozialpolitik und Gesundheit in der Wirtschaftskammer. (APA, TT.com)