Letztes Update am Fr, 30.08.2019 14:20

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Forum Alpbach

Ende einer Ära: Notenbankchef Ewald Nowotny tritt ab

Ewald Nowotny war 11 Jahre im Amt. Ab 1. September übernimmt Robert Holzmann den Posten des Präsidenten der Nationalbank.Bei seinem letzten ofiziellen Auftritt plädiert Nowotny für ein flexibleres EZB-Inflationsziel.

Der scheidende Notenbank-Gouverneur Ewald Nowotny .

© De Moor / Tiroler TageszeitungDer scheidende Notenbank-Gouverneur Ewald Nowotny .



Alpbach – Der scheidende OeNB-Präsident Ewald Nowotny (75) hat beim Forum Alpbach seinen letzten öffentlichen Auftritt absolviert und erneut für eine Reform des EZB-Inflationsziels plädiert. Ab Sonntag, 1. September, ist Robert Holzmann als neuer Chef der Notenbank im Amt.

Nowotny war in seiner elfjährigen Amtszeit als Präsident der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) auch Mitglied im EZB-Rat. Die Europäische Zentralbank (EZB) versucht mit ihrer Geldpolitik, die Inflationsrate auf mittlere Sicht unter, aber nahe 2 Prozent zu halten und damit Preisstabilität zu garantieren. Die Inflationsentwicklung spielt eine wichtige Rolle bei der Zinspolitik der EZB.

Nowotny fordert ein flexibleres EZB-Inflationsziel, weil es einen langfristigen Trend zu niedrigeren Inflationsraten gebe. Die Gründe für den Inflationsrückgang sieht der Notenbanker unter anderem in hohen Spareinlagen, einer ungleichen Einkommensverteilung und technologischem Wandel begründet. Technologiekonzerne wie Google und Facebook würden viel weniger Kapital benötigen als Industriekonzerne. „Die Zentralbanken können hier nichts machen.“ Deswegen sei ein flexibleres Inflationsziel notwendig. Der scheidende OeNB-Präsident verwies auf die tschechische und israelische Notenbank, die beim Inflationsziel flexibler vorgehen. Es wäre zum Beispiel ein Teuerungsziel von 2 Prozent mit einem Spielraum von 1 bis 3 Prozent denkbar. Wenn es kein flexibleres Inflationsziel gebe, dann werde es womöglich für immer eine expansive Geldpolitik geben.

„Nie die Unwahrheit gesagt“

Nowotny bedankte sich am Ende des Hintergrundgesprächs vor Journalisten „für elf spannende Jahre – zum Teil anstrengend, aber befriedigend.“ Er erinnerte: „Ich habe nie die Unwahrheit gesagt. Natürlich habe ich aber auch manchmal die Rolle der Notenbank und des Gouverneurs einer Notenbank gelebt, darin sehe ich die Stimme der Rationalität und der Vernunft.“ Es gehe darum, „gegen Hysterie aufzutreten, gegen negative Stimmungsmache.“ Heutzutage brauche es oft mehr Mut, Realist zu sein als Pessimist, sagte Nowotny. „Pessimisten werden oft als interessanter empfunden.“

Seinen Nachfolgern – der neue Vizegouverneur Gottfried Haber und der neue OeNB-Direktor Thomas Steiner flankierten Nowotny bei seinem letzten Pressegespräch – wünschte er „viel Erfolg“. (APA, TT.com)